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  1. #191
    Super Sims
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    Ich habe keine Ahnung, ob die letzten beiden Posts angezeigt werden, mir zeigt das Forum an, der letzte Eintrag sei aus Juni... ??




  2. #192
    Super Sims
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    Obschon wir erst spät zur Ruhe kamen, erwachte ich zu einer recht zivilen Zeit. Wie der geneigte Leser inzwischen weiß, nutzte ich die Zeit um meinen Blog zu aktualisieren. Danach bereitete ich ein schnelles Frühstück zu, welches wir drei gemeinsam einnahmen. Wenn ich es recht bedenke, war es für Mareike wohl eher ein frühes Mittagessen.



    Sie erkundigte sich, wie unser Abend verlaufen sei. Es sei sehr nett gewesen, antwortete ich.



    Eves Bericht fiel deutlich ausführlicher aus. Es ist erstaunlich mit welch einer Fülle an Details sie aufwarten konnte, obwohl sie unsere Differenzen mit keinem Wort erwähnte.



    Ich zog mich zurück, sobald es die Höflichkeit erlaubte. Allzu lange dauerte es jedoch nicht bis Eve sich wieder zu mir gesellte. "Mareike hält ein Mittagsschläfchen." Ihr liebevolles Lächeln versetzte mir einen unerwarteten Stich. "Du wirst ihr immer ähnlicher." - "Mamá?"



    "Bleib so", bat ich sie und sie tat mir den Gefallen, obwohl sie nicht gern Modell saß. Eine leise Wehmut erfasste mich, als ihre Züge langsam Gestalt annahmen. Eine Regung, die Eve nicht verborgen blieb: "Das ist nicht leicht für Dich, oder?" Ich musterte sie von oben bis unten. Zog eine Augenbraue hoch und behauptete: "Solange Du solche Klamotten trägst gehts."



    Sie nuschelte: "Er schon wieder", und beschäftigte sich für eine Weile mit ihrem Handy. "Du hast ziemlich viel weggelassen." Ich hielt verwundert inne und inspizierte meine Arbeit.



    "Auf Deinem Blog, Ted", erklärte sie. "Ach so?" Sie verdrehte die Augen. "Nun, wenn Du meinst", sagte ich gedehnt und in Erinnerung an letzte Nacht, als ich wach lag, ihren gleichmäßigen Atemzügen lauschte und ihr insgeheim recht gab, dass ich 'jede Hilfe' benötigen würde, um das von mir angerichtete Chaos wieder zu bereinigen. "Tu dir keinen Zwang an, Eve." - "Dein Ernst?"



    Mein Herz klopfte, doch ich hätte nicht gleichgültiger wirken können: "Wenn das bedeutet, dass Du dann still sitzt, nur zu." Prompt sprang sie auf. Verschwand im Schlafzimmer und kam mit ihrem Tablet wieder zum Vorschein. "Weißt Du wann Jou Geburtstag hat?" - "Nein."



    "Warum nicht?" Ich warf ihr einen irritierten Seitenblick zu: "Ist das wichtig?" - "Hhm ... nein." Diesmal war ich es, der seine Augen gen Himmel wandte. "Wann wirst Du abgeholt?" - "Bald." - Du Bad oder ich?" - "Du." Wenn doch nur alles so einfach wäre.



    Bleibt nur noch anzumerken, dass sie mit ihrem Unterfangen bis zu ihrer Abreise nicht fertig wurde. Dafür lernte sie Sunny kennen.



    Diese zeigte sich erneut recht schüchtern, doch Eves Mitbringsel fand durchaus ihren Beifall.



    Richards Ankunftssignal ertönte und zusammen mit ihm nahte auch der Moment des Abschieds viel zu schnell.



    Die Gewissheit, dass es diesmal nicht für lange sein würde, tröstete uns ein wenig. Ob wir uns jedoch in naher Zukunft an die ständigen Trennungen gewöhnen werden, wage ich zu bezweifeln.


  3. #193
    Sadistischer Kater
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    The
    "earth"
    without
    "art"
    is just
    "eh"

  4. #194
    Super Sims
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    Seit einer Stunde tippe und lösche ich einen ersten Satz nach dem anderen, als ob der Fortbestand der Menschheit davon abhinge.

    Dabei weiß ich ganz genau was ich schreiben möchte. Mein Dilemma ist nur, das ich mir nicht sicher bin, wie weit ich gehen kann, ohne Gefahr zu laufen, ausgesetzt zu werden. Kein Scherz.

    Teddy hat mich tatsächlich einmal in einen Karton gesetzt und raus vor die Tür geschoben. Ich war drei oder vier und hatte ein Schild in den Händen: Macht Umstände abzugehen, gute Hände (sic).

    Wie auch immer. Johann hat mich ziemlich schnell entdeckt damals und natürlich auch wieder mit nach Hause genommen.

    Vielleicht sollte ich ihn anrufen, um mir seine Meinung einzuholen. Könnte jedoch sein, dass er mir mein Vorhaben ausredet. Also lieber Sammy, sicher ist sicher. Beste Idee ever!

    Zu schade, dass ich nicht früher auf den Gedanken gekommen bin. Hätte ja im Leben nicht vermutet, dass Teddy ein Update posten würde. So ganz zufällig und völlig außer der Reihe.

    Statt einfach mal zu fragen, hat er lieber versucht mich auszutricksen, der Schelm. Ach, was solls. Fällt mir bestimmt leichter den Zaunpfahl für Zwei zu schwingen. In diesem Sinne:

    Goodbye schlechtes Gewissen & Hello Freifahrtsschein, hier kommt Eve.

    Habt ihr euch vielleicht schon gedacht, dass ich es bin, die euch hier zutextet. Schadet aber sicherlich nicht, wenn ich es nochmal erwähne. Nicht wahr, Bruderherz?

    Jetzt bleiben mir noch zwei Stunden bis zur Ankunft bei meinen Großeltern, vielleicht zweieinhalb, wenn ich Richard überzeugen kann sich Zeit zu lassen. Was ungewiss ist. Daher wird es wohl das Beste sein, wenn ich mitten ins Geschehen springe. Genauer gesagt: Zu dem Moment als Teddy und ich uns in der Bar trennten.

    ~~~

    Kaum war ich zur Hälfte die Treppen hinauf, da erklangen die ersten Takte von 'What's Up' der 4 Non Blondes*. Hat er nur gespielt, um mich zu ärgern, dieser Schuft. Also ließ ich mir reichlich Zeit und trat den Rückweg erst an, als das Klavier verstummte.

    Es war nicht wirklich stumm, denn obwohl Teddy sich in einem Gespräch befand, spielte er leise 'Take me to church' von Hozier. Gepaart mit den Herzchen die förmlich aus seinen Augen sprühten konnte es eigentlich nur Jou sein. Obwohl dieser Blick recht bald erlosch, wie ich zugeben muss.



    Irrte ich mich? Doch warum sollte Teddy dann dieses Lied spielen? Er ließ sich nicht einmal beirren, als dieser Jemand mit wenig Begeisterung im Gesicht das Weite suchte. Aus Erfahrung wusste ich, dass Teddy die Dauer meiner Abwesenheit nicht bemerken würde. Daher gab ich meiner Neugier nach und folgte dem jungen Mann.

    Er saß inzwischen am Tresen. Ganz vorne, was praktisch war. Ich trat an ihn heran, grüßte freundlich und schob meine Vermutung gleich hinterher: "Du bist Jou, nicht wahr?"
    "Fragt wer?" Oje, der Ton passte perfekt zu seinem mürrischen Gesichtsausdruck.



    "Everleigh Leonora Willoughby." Es klang wie ein Wort, so sehr beeilte ich mich mein Versäumnis wett zu machen. "Edwards jüngere Schwester." Ein komplett überflüssiger Zusatz. Der nicht nur so klang, als wolle ich mich dafür entschuldigen, sondern auch noch suggerierte, es gäbe eine Ältere. Gibt es nicht, btw. Schade eigentlich, denn unsere Eltern haben es durchaus oft versucht.

    Wie auch immer. Seine Gesichtszüge glätteten sich, er nickte und schien einem Gespräch nicht mehr ganz so abgeneigt zu sein. Ein guter Moment, um zu fragen, ob er sich dies Lied gewünscht habe.
    Nein, hatte er nicht.



    Sehr aufschlussreich, dachte ich. Sagte jedoch, zeitgleich mit ihm: "Das Video ist furchtbar."
    Wir waren beide gleichermaßen überrascht. Er fing sich jedoch schneller.
    "Dein Bruder sieht das anders."
    Ich nickte bedröppelt.



    Wir waren uns schnell einig, dass das Video an sich natürlich nicht furchtbar ist. Nur die Geschichte die es erzählt, ist so grausam und überaus traurig.

    Wobei das schlimmste für mich ist, das seine Aussage auch heutzutage noch viel zu oft zutrifft. Etwas das Jou aus eigener Erfahrung bestätigen konnte. Ich bin mir sicher, dass Teddy darüber nicht ausreichend informiert ist, andernfalls hätte er es nicht gespielt.



    Wie so oft nach beklemmenden Themen geriet unser Gespräch danach ins Stocken. Ich begann gerade mir etwas dumm vorzukommen, da rettete Teddy mich mit seinem nächsten Lied.

    'Someone You Loved' von Lewis Capaldi war es. Ich mag es, wenn Teddy dazu singt (was er nicht tat), denn seine Stimme kommt dem Original recht nahe, finde ich. Teddy nicht.

    In Jou schien es keinerlei Regung hervorzurufen. "Kennst Du das?", erkundigte ich mich.
    Er schüttelte den Kopf. Wirklich schade, denn Teddy verfolgte mit seiner Musikauswahl eindeutig ein ganz bestimmtes Ziel.

    Glücklicherweise (haha) erinnerte ich mich daran, dass Sammy ebenfalls Schwierigkeiten damit hat Lieder an ihrer Klavierversion zu erkennen und so sagte ich spontan: "Ich kann das ändern, wenn du magst."

    Jou zog eine Augenbraue hoch. Eindeutig etwas das er sich von Teddy abgeguckt hat. Süß, doch verbesserungswürdig. Konkretere Einwände erhob er nicht und so schickte ich mich umgehend an meine Worte in die Tat umzusetzen.



    Meine Hand zitterte ein wenig als ich nach dem Mikro griff. Nicht weil ich ahnte, was geschehen würde. Oh no! Es lag an den Augenpaaren, die mich neugierig musterten. Mit wachsender Nervosität wartete ich auf meinen Einsatz. Allein der Gedanke, dass Jou einfach in Genuss des kompletten Textes kommen musste, hielt mich davon ab die Flucht zu ergreifen.

    Wie wir wissen brachte ich Teddy etwas aus dem Takt. Er fing sich jedoch recht schnell. Von Jou kann ich das nicht behaupten, denn er benötigte deutlich länger. Ich könnte auch sagen, er schlich sich langsam näher. Ja, das trifft es recht gut.



    Sein Minenspiel war absolut drollig und hätte mich beinahe aus dem Konzept gebracht. Zum Glück schob er sich behutsam an mir vorbei. Die Peinlichkeit eines Texthängers blieb mir somit erspart.

    Gegen Ende fiel Teddy in meinen Gesang ein. Ich liebe es, wenn er sich dazu durchringt. Es passiert viel zu selten für meinen Geschmack.

    Sicherlich könnt ihr euch vorstellen, dass mich sein Wutanfall völlig unvorbereitet traf.



    Rein aus Gewohnheit griff ich nach Jou. Erwischte ihn etwas unglücklich am Hosenbund und zog ihn aus der direkten Schusslinie.

    "Geh", raunte ich ihm zu, als Teddy sich in Zeitlupe erhob und bedrohlich vor uns aufbaute. Jou ignorierte mich zunächst, gab seinen Widerstand schließlich jedoch auf. Höchstwahrscheinlich, weil ich weiterhin an ihm herumzerrte und das vorne rum eventuell etwas unangenehm für ihn war.



    An Teddys Ausbruch änderte sein Abgang nichts. Was mir einfiele, schnauzte er mich an. Woraufhin ich verdutzt erwiderte, ich würde doch immer mit ihm singen. Vor aller Welt bloßstellen würde ich ihn, behauptete er.

    Herr im Himmel! Wie hätte ich darauf kommen können? Immerhin hatte ich weder dies Lied ausgewählt, noch diesen Aufstand angezettelt. Das schaffst du gut allein, wollte ich erwidern, doch der Ausdruck in seinen Augen verriet mir, das diskutieren grad völlig sinnlos war.



    Es passiert nicht oft, dass mein Bruder derart austickt. Aber wenn, oje, dann ist jedes Argument die reinste Verschwendung von Atemluft und Vernunft etwas, das in seiner momentanen Welt nicht existiert.

    Normalerweise, dessen war ich mir deutlich bewusst, würde er mich stehen lassen und verschwinden. Ebenso sicher war ich mir allerdings, dass er sich dies in der gegebenen Situation niemals erlauben würde.

    Also ging ich, damit er den Raum und die Zeit bekam sich wieder zu fangen. Wie erwartet setzte er sich sofort zurück ans Klavier.



    Jou hingegen war wie vom Erdboden verschluckt und ich so stand erneut etwas verloren mitten im Raum. Diesmal jedoch aufgebracht genug, um die Blicke der Anwesenden an mir abprallen zu lassen. Sonderlich angenehm war es zwar trotzdem nicht.

    Während ich den Blick des aufdringlichsten Gaffers mit kühler Verachtung erwiderte, überlegte ich, welche Ecke sich am besten eignen würde, um dort stundenlang allein herumzuhocken. Meine Entscheidung fiel auf den Tisch vorm Kamin. Bereit mich meinem Schicksal zu ergeben schlenderte ich hinüber, um ihn anzuzünden.

    Jou bewahrte mich vor beidem, nichtsahnend, wie ich anmerken möchte, denn ich entdeckte ihn eher zufällig. Er saß im Hinterhof, wie an jenem Abend, als die Beziehung der beiden ihren Anfang nahm.

    Schnell wie der Wind war ich an der Tür. Stemmte mich mit meinem ganzen Körpergewicht dagegen und zog sie auf, als Teddy mit Inbrunst den mittleren Teil des Refrains von 'Little lion man' der Mumford & Sons schmetterte.

    Jous Kopf, der bis dato eher traurig nach unten hing, schnellte zu mir herum. Mist.



    "Immerhin zeigt er Einsicht", murmelte ich verlegen. Ließ mich erleichtert neben ihn auf die Bank fallen und realisierte zwei Dinge: a) Teddy sang weiter. b) Er war auch durch die geschlossene Tür deutlich zu verstehen.

    Musste er sich ausgerechnet diesen Moment aussuchen? Er singt nie öffentlich. Alleine jedenfalls nicht. Selbst zu Hause passiert es sehr selten. Er selbst bemerkt es nicht einmal. Was daran liegt, dass er in solchen Momenten ziemlich durcheinander ist.

    Die Lieder die er in solchen Situationen spielt, sind quasi ein Spiegelbild seiner Gemütslage. Das ist nicht immer schön, denn er trifft meist mit schlafwandlerischer Sicherheit den zur Situation passenden Nagel auf den Kopf. Vorsatz sollte man ihm trotzdem nicht unterstellen. Soweit ich weiß, kam erst einmal vor, dass er jemanden dadurch absichtlich treffen wollte.

    Ich erwähne dies so ausführlich, da Jou absolut nicht begeistert war von dem, was er hörte. Kein Wunder, eigentlich.



    Ablenkung war angesagt: "Schön, das du noch da bist." Es war durchaus ehrlich gemeint.
    "Ach ja?" Einen My zu bitter, um gelangweilt zu klingen.
    "Ja", erwiderte ich mit Nachdruck.
    Keine Reaktion.
    "Ich dachte, du seist gegangen."
    "Bin ich nicht."

    Schön, dass wir das geklärt hätten, dachte ich. Kam mir jedoch sofort ziemlich mies vor, da gut zu erkennen war, dass Jou sein Bleiben arg bereute.

    "Er beruhigt sich bald wieder", gab ich halbwegs zuversichtlich von mir.
    "Wenn du meinst." Würde ich mir sonst die Mühe machen, es zu erwähnen? Nein.
    "Ja."
    Ich lächelte ihn aufmunternd an, als er mich daraufhin mit einem Seitenblick verwöhnte.
    "Es ist gut, dass er am Klavier sitzt", plauderte ich drauflos. Etwas unbedacht, wie ich zugeben muss.
    "Flügel", wurde ich umgehend von Jou unterbrochen.
    "Flügel, natürlich", bestätigte ich, mit einem leicht amüsierten Augenrollen.
    Er quittierte es mit dem Anflug eines Lächelns.
    "Es hilft ihm wieder runterzukommen", vervollständigte ich meinen Satz.
    "Ach?"



    Ich nickte bedächtig, um ihn nicht zu verschrecken und suchte krampfhaft nach einer passenden Erwiderung.
    "Es ist wirklich eine Schande, dass er kein eigenes Instrument zur Verfügung hat." Es fiel mir tatsächlich nichts besseres ein, als meinen vorherrschenden Gedanken auszusprechen.

    "Warum war euer Vater dagegen?" Eine wirklich gute Frage, zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
    "Aus Prinzip", antworte ich reflexartig, da gedanklich woanders.
    Jou war eindeutig schockiert.



    Konnte es wirklich sein, das er nicht im Bilde war? Bei Teddy liegt so etwas durchaus im Bereich der Möglichkeiten. Er hatte damals nach diesem 'Kutschen oder Töten' Ding über unseren Vater gesprochen, das wusste ich mit Bestimmtheit. Aber war er auch derart ins Detail gegangen? Ich meine, besonders viel haben wir von dem Gespräch ja nicht mitbekommen, oder? Oh man.

    Dagegen sprach: Jede einzelne, auf diese Situation übertragbare Diskussion, die ich in meinem Leben mit Teddy ausgefochten hatte.
    Dafür: Jou.

    Habe ich erwähnt, dass er mich unverwandt ansah? Mit diesen super schönen Augen? Tief dunkelbraun sind sie, btw. Nicht so ein wischi-waschi wie bei mir. Sind übrigens die von meinem Vater. Teddy, der Glückspilz, hat die von Mamá abbekommen. Ich finde er hätte mich vorwarnen können, Teddy meine ich, oder es zumindest mal erwähnen. Pff.

    "Du wirst es mir nicht sagen." Mehr Feststellung denn Frage und leicht deprimiert.
    "Ich würde", erwiderte ich sofort. "Gern sogar, aber er bringt mich um wenn ich es tue."



    "Wer hätte gedacht, dass dich das von irgendetwas abhalten würde." Wow! Ein ganzer Satz. Ordentlich formuliert auch noch. Ich war absolut begeistert. In diesem kurzen Moment bevor mir bewusst wurde, dass es kein sonderlich gutes Licht auf mich warf.

    "Dir ist kalt." Ich runzelte die Stirn bei seinen Worten.
    "Du zitterst." Sehr aufmerksam von ihm.
    Immer noch überlegend welche meiner vermeintlichen Schandtaten Teddy ausgeplaudert hatte, nickte ich.
    "Wir können wieder reingehen, wenn du möchtest." Wir! Er sagte tatsächlich wir.
    Nicht nur wegen der Kälte, sondern auch wegen des Tapetenwechsels, der uns beiden sicherlich guttun würde, gab ich meine Zustimmung.



    Er stand auf und ließ mir galant den Vortritt. Beherzt griff ich nach der Türklinke und zog, in Erinnerung an vorhin, mit Leibeskräften an ihr.
    "Sie geht nach innen auf", informierte Jou mich deutlich belustigt.
    "Warum macht sie das? Sie ist eine Kneipentür", nölte ich und versetzte ihr einen winzig kleinen Tritt. Immerhin hatte ich mich ihretwegen nun bereits zum zweiten Mal zum Trottel gemacht.

    Sein Grinsen wurde breiter, er schmiss sich mit der Schulter gegen das vermaledeite Ding und ich schlüpfte an ihm vorbei. Wehe ihm, er beschwert sich noch einmal über Teddys gute Manieren!

    Kaum im Inneren steuerte ich den erstbesten Tisch an. Froh darüber, das wenigstens dies Lied zu Ende ging. Obwohl froh, absolut nicht der richtige Ausdruck ist. Es klang arg traurig. Mein Herz zog sich enger zusammen, als Teddy 'Memories' von Maroon 5 folgen ließ.

    Ihr ahnt gar nicht, wie gern ich zu ihm gegangen wäre. So wie sonst immer. Ich mein, wie früher ...



    Um wenigstens Blickkontakt zu meinem Bruder herzustellen, kippelte ich auf meinem Stuhl nach hinten. Mehr als ein Stückchen seiner Schulter konnte ich allerdings nicht erhaschen und selbst dieses verschwand immer wieder aus meinem Blickfeld.

    Ich gab nicht einmal auf, als er erneut dies* Lied spielte. Und ebenfalls dazu sang. Das war nicht gut. Ganz und gar nicht gut. Wirklich, wirklich nicht gut. (Er behielt das Singen für den Rest des Abends bei. Nur mal so erwähnt, damit ich es nicht ständig dazu tippen muss.)

    "Warum beruhigt es ihn und dich nicht?" Jous Stimme klang ruhig, beinahe neutral, keineswegs neugierig.
    Ich seufzte still, gab meine Bemühungen auf und musterte ihn.

    "Entschuldige." Für einen Augenblick sah er abgrundtief traurig aus. Hatte sich allerdings sofort wieder im Griff.
    "Ich suche nur nach Worten", erwiderte ich wahrheitsgemäß.
    "Musst du nicht."
    Doch, dachte ich, muss ich, denn mein Bruder ist kreuzunglücklich und du bist auch nicht viel besser drauf.

    "Fang einfach irgendwo an." Konnte er Gedanken lesen oder war er einfach nur außerordentlich empathisch?

    "Sortieren können wie später?", erkundigte ich mich zuckersüß.
    "Ein Tipp..."
    "Von Teddy, ich weiß."
    Er schmunzelte. Für den Bruchteil einer Sekunde. Einmal zwinkern, schon verpasst.

    Ich beäugte ihn misstrauisch. "Versuchst du mich auszuhorchen?"
    "Wenn du es zuläßt." Sehr cool. Ich mag Menschen, die geradeheraus sind.
    "Und ich dachte, du bist schüchtern", murmelte ich. Gedanklich schon beim Verfassen eines Teddy-Welt-Übersetzers.
    "Das liegt an den Medis", erwiderte Jou gelassen.
    "Bitte?"

    Ihr werdet es nicht glauben. Jou hat tatsächlich eine Zeitlang seine Medikamente gegen die Angstzustände abgesetzt, weil -haltet euch fest, Leute- Eddie es nicht so klasse fand!

    Oh, ich kann mir genau vorstellen wie das abgelaufen ist.
    Jou: Arglos erwähn.
    Edward Jebediah Willoghby: Es gibt bessere Methoden, als seinen Körper mit Chemie zu vergiften.

    Ich weiß wirklich nicht was mich mehr aufregt. Mein Bruder, der solche Sachen raushaut, ohne sie groß zu erklären, oder Jou, dem nichts Besseres dazu einfiel, als Ted um den Bart zugehen.
    Okay, er hat seine Antidepressiva damals gehasst, aber das ist weder ein Grund, noch eine Rechtfertigung oder *zensiert*



    "Ich bringe ihn um", grummelte ich fest entschlossen.
    "Nur über meine Leiche." Was für ein Statement!
    Ich starrte ihn an. Besser gesagt, das 'deadass' das in hellroten Flammen hinter meiner Stirn loderte.

    "Du gefällst mir," gab ich leicht widerwillig zu.
    "Geht mir ähnlich."
    "Ach?" omg, ich hatte ja keine Ahnung, wie schnell man solche Dinge übernimmt.
    "Ihr seid euch sehr ähnlich..." Klang als hätte er quasi keine andere Wahl.
    "Nur äußerlich", wies ich ihn zurecht.
    Seine Lippen kräuselten sich. Fast wäre ein Lächeln draus geworden. Fast.

    "Okay", murmelte ich und besann mich zurück auf das eigentliche Thema. "Wir hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit auf dem Weg hier her. Und zwischen euch lief vorhin auch nicht alles rund, glaube ich."
    Jou nickte und schien gewillt mich einzuweihen.
    "Warum, spielt im Moment keine Rolle." Wie dumm von mir!
    "Wichtig zu wissen ist allerdings, dass Teddy die Angewohnheit hat seine Emotionen durch Musik auszudrücken. (Hier folgte die Erklärung, die ich oben schon getippt habe.) Wenn du also einen ungefilterten Einblick in sein Innenleben haben möchtest, setz ihn vor die Tasten."

    Übergangslos erklang 'I will survive' von Gloria Gayner. Verdammt! Seit wann hat mein Bruder das Talent mich so derart punktgenau in die Pfanne zu hauen?!? "Damit meint er nicht dich!"

    Jou war eindeutig nicht überzeugt von meinen Worten. Nachgefragt hat er allerdings nicht. Nicht einmal mit seinem typischen 'Ach?'.



    War das, was er vorhin am Tresen erwähnt hatte, der Grund dafür, dass er pauschal alles Negative auf sich? Eine gute Frage, schade das ich versäumt habe sie zu stellen.

    Wie auch immer. Teddy hat ein ganz bestimmtes Pattern, dem er folgt, wenn er richtig mies drauf ist. 'Suhlen im Elend' müsste die Playlist heißen. Ich ahnte also bereits was noch auf uns zukommen würde und brachte es einfach nicht übers Herz Jou ein zweites Mal im Regen stehen zu lassen.

    Also schmiss ich die letzten Skrupel über Bord: "Es ist an Jonah adressiert."
    Diese Info schien ihn zu überraschen: "Jonah?"
    "Eindeutig."
    "Ich dachte sie wären so glücklich gewesen?"
    "Hat Teddy das behauptet?"
    Jou verneinte. Hätte mich auch gewundert, wenn es anders gewesen wäre.
    "Wie kommst Du dann darauf?"
    Er hob eine Schulter und ließ sie in Zeitlupe wieder sinken. Wirkte ziemlich lässig, muss ich sagen. "Sie waren 5 Jahre zusammen, oder nicht?"

    Seit wann ist Zeit ein Granat für eine glückliche Beziehung?



    Sie hatten ihre Momente, ohne Frage, aber eher: "On und off."



    Oft off, wenn ich es recht bedenke und das nahezu von Tag Eins an.



    Allein bei dem Gedanken an all die Dramen geht mir die Hutschnur hoch. "Dem Typen hast Du zu verdanken das Teddy so allergisch auf Eifersucht reagiert."
    "Oh?" Ich nickte grimmig.
    "Er war selbst auf Teddys Schatten eifersüchtig. Von Alan, Sammy und mir ganz zu schweigen." Pff.

    Okay, vielleicht hab ich es das ein oder andere Mal provoziert.



    Aber doch nur, damit Teddy irgendwann begreift, wie dämlich diese ganzen Diskussionen waren!



    "Du wirst es wahrscheinlich nicht glauben", pampte ich Jou an. "Aber Teddy hat ihm nie einen Vorwand geliefert." Dabei hätte er weiß Gott, genug Gelegenheiten gehabt, dieser Dummkopf!

    Ihr ahnt gar nicht, wie sehr mich das in Rage bringt. Weil er es einfach treu und brav über sich ergehen lassen hat. Jedes verdammte Mal. Gelitten wie ein Hund, natürlich! Und ihn doch wieder immer wieder zurückgenommen. Bescheuert as fuck!

    Passend zu meinen Worten, erklang 'Perfect' von Cole Norton.

    Ich kniff ich die Augen zusammen und überlegte wie ich diesem Jonah 2.0, der mir da gegenüber saß, am besten auf die Sprünge helfen konnte.

    Er ließ meine Musterung vollkommen reglos über sich ergehen. Half ihm aber nicht, denn ich war absolut nicht gewillt, dies ganze Theater noch einmal mitzumachen.

    Einsicht, schlussfolgerte ich, wäre wohl ein probates Mittel, um dieses Problem aus der Welt zu schaffen.



    "Spricht er oft von ihm?" Es klang nicht ganz so biestig, wie es sich liest. Okay, doch, tat es. Sorry.
    "Von Jonah?" Mimik und Ton: Erstaunen pur.
    Ich verdrehte die Augen. "Diesem Blonden." Wenig hilfreich, dachte ich, zog es jedoch vor mir einzubilden, dass Jou wahrscheinlich nicht wusste, wie Jonah aussieht.
    "Nabu?"
    Ich schenkte ihm meinen besten 'wenn-ich-wüßte-wie-der-heißt-hätte-ich-es-gesagt-aber-ich-kann-mir-nicht-alles-merken' - Blick.
    "Nein", antworte er ohne zu Zögern. Bemerkenswert pfiffig.
    "Gar nicht?" Nachhaken kommt gut, wenn man will, das jemand von alleine auf etwas kommt. Bei Teddy funktioniert es meistens nicht so gut.
    Bei Jou schon, wie er mit einem Kopfschütteln zum Ausdruck brachte.
    "Nie?"
    "Nicht freiwillig."
    "Na dann." Schlagartig verlor ich jegliches Interesse an ihm.

    "Was dann?" Vielleicht sollte ich es bei Teddy mal mit Clickertraining probieren?
    "Hhm?" Ich löste meinen Blick eher widerwillig von den Treppenstufen und sah ihn an, als hätte ich Mühe mich zu erinnern, worüber wir gesprochen haben. Erlebte einen visuell wahrnehmbaren Aha-Effekt und sagte: "Also von dir spricht er pausenlos."

    Ich weiß nicht was es war. Die leichte Langeweile in meiner Stimme, oder der Hauch von 'es-nervt-tierisch' in meinem Blick. Jedenfalls veränderte sich sein Ausdruck von achtsam beherrscht zu ... 'ich hab dich durchschaut, Kleines'.



    "Du bist gut", zollte er mir netterweise Respekt.
    "Teddy hat dich vorgewarnt", vermutete ich sofort.

    Er nickte, verhalten. Mühte sich vergeblich das Zucken seiner Mundwinkel zu unterdrücken und dann … lächelte er. Ganz plötzlich. Einfach so. OMG! omg omg omg omg omg omg, trifft's eindeutig besser.

    Teddy wird ja nicht müde es immer wieder zu erwähnen, also, dass ihn Jous Lächeln jedes Mal förmlich aus den Latschen haut. Ich fand es leicht übertrieben, muss ich zugeben, aber wow, er hat absolut recht. Wenn es seine Augen erreicht, ist es als würde die Sonne aufgehen. omg, ich werde poetisch. Wie furchtbar. Aber es ist stimmt. Es trifft dich mit einer Wucht, die kaum zu beschreiben ist. Mitten ins Herz und du kannst gar nicht anders, als es strahlend zu erwidern. Gruselig! Absolut schlimm! Wirklich wahr.

    "Du stehst nicht zufällig auch auf Frauen?" Peinlich geht immer.
    "Nein." Spontan, doch leicht irritiert.
    "Schade."
    Seine Wangen färbten sich rosa.
    "Stört dich das?"
    "Was? Nein... Ich... Nein." Er war komplett verloren. Wie niedlich bitte schön konnte dieser Mensch sein?

    "Das Teddy bi ist, meine ich." Manchmal kann ich durchaus nett sein.
    "Nein." Merkwürdig.
    "Warum nicht?"
    "Eve..." Wie Teddy, wenn er versucht Wall-E nachzumachen. Geht gar nicht.
    "Es verdoppelt deine Chancen eifersüchtig zu sein." Es klang, als könne ich nicht begreifen, warum er sich diese prima Gelegenheit durch die Lappen gehen ließ.
    "Nein." Halb lachend, halb verzweifelt, doch durchaus glaubwürdig.



    "Komisch", murmelte ich, war jedoch gewillt ihm eine kleine Verschnaufpause einzuräumen. Er nutzte sie gut. Fing sich, suchte meinen Blick und sah durchaus so aus, als würde ihm eine Frage auf der Seele brennen.

    Gesagt hat er jedoch: "Eddie verliebt sich in den Menschen, nicht in sein Geschlecht." Klang zweifellos nach etwas das mein Bruder genau so von sich geben würde. Sorry Sammy.

    Eine Frage hatte er trotzdem für mich. Allerdings werde ich das Gefühl nicht los, dass es nicht die war, die ich Momente vorher erwartet hatte. Nicht das ich wüsste, was es gewesen sein könnte. Nein, ich hatte eher den Eindruck, als wäre er zu der Erkenntnis gekommen, ich wüsste weniger, als er vermutet bzw. befürchtet hat? Oder wollte er einfach nur keine schlafende Hunde wecken? Ergibt das Sinn? Eher nicht, oder? Hhm, vielleicht sollte ich Teddy danach fragen. Obwohl, wenn er wollte, dass ich es weiß, dann wüsste ich es, nicht wahr? Mist.

    Jous Frage lautete: "Warum haben sie sich getrennt?" Gutes Ablenkungsmanöver, oder schlichte Neugier, was weiß ich. Er ist wirklich schwer zu durchschauen, wenn er sein Pokerface aufsetzt. Kein Wunder, dass Teddy förmlich aufgeschmissen ist. Die beiden sollten wirklich dringend an ihren skills arbeiten, vorausgesetzt sie wollen, dass das irgendwann mal was wird mit ihnen.

    "Weißt du, dass Teddy mal 'nen crush auf einen Schauspieler hatte?" Halb rhetorisch, denn ich glaubte mich zu erinnern, dass er es sogar auf seinem Blog erwähnt hat. Was wirklich erstaunlich ist, denn Teddy ist verschlossen wie eine Auster. Man entlockt ihm absolut nichts zufällig. Ich spreche aus Erfahrung, immerhin habe ich es oft genug versucht und bin jedes Mal grandios gescheitert. Aufgeben, gehört allerdings nicht zu meinen guten Eigenschaften. Sorry, not sorry.

    Jou nickte erwartungsgemäß.
    Geändert von Laska (14.11.2020 um 13:45 Uhr)

  5. #195
    Super Sims
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    20
    "Die lange oder die kurze Version?"
    "Wie du magst."
    Ich blickte ihn an. Er verzog das Gesicht. Amüsiert nehme ich an, denn er antwortet: "Also ... ich hab Zeit."

    "Okay", murmelte ich und bemühte mich fieberhaft die Fakten zu sortieren die aus den verstaubten Ecken meines Gehirns hervorschossen.
    "Oh Gott! Ich hab keine Ahnung wo ich anfangen soll."
    "Irgendwo." Seine Augen funkelten vergnügt.
    "Irgendwo, okay." Ich holte tief Luft und versucht mich zu konzentrieren.

    "Es begann, vor ungefähr sieben Jahren. Teddy hatte im Kino so eine typische Teenie-Musical-Liebesschnulze gesehen und..."
    Jou war sichtlich überrascht. Ich verdrehte die Augen und nickte, als wollte, ich sage: Yup, mein Bruder war schon immer ein Softie.
    "Und?"
    "Ging uns fürchterlich auf die Nerven", fuhr ich grinsend fort. "Er hat alle Teile mehrmals gesehen. Einmal ist er sogar aus dem Kino geflogen, weil Fotografieren während der Vorführung streng verboten ist."
    "Er hat Fotos geschossen?"
    "Mehr als eines", versicherte ich ihm.



    "Er war sehr geknickt, als die Serie endete."
    "Ach?"
    "Ja. Einige Zeit später liefen die Filme dann im Telly. Wir waren ziemlich neugierig, doch zu jung, unser Direx ist echt pingelig, weißt du. Wir brauchten also jemanden, der mindestens 14 war. Sammy war ziemlich verschossen in Teddy und so verfielen wir auf den glorreichen Gedanken ihn zu fragen. Lange überreden mussten wir ihn nicht."

    Ich hielt kurz inne, um amüsiert den Kopf zu schütteln. Mein Gegenüber betrachtete die Tischplatte.
    "Was unser eigentlicher Plan war, kannst du dir wahrscheinlich denken?" Manchmal bin ich wirklich unsensibel.
    Jou nickte, ohne aufzusehen.
    "Tja, nur leider hatte niemand meinen Bruder in die Geheimnisse weiblicher Winkelzüge eingeweiht und so ging unser Vorhaben phänomenal den Bach runter."



    "Ach?"
    Mein bekümmertes Nicken war nur zu Hälfte gespielt. "Wir haben ihn danach sogar noch in eine Pizzeria geschleift, aber auch das hat nicht viel gebracht."
    "Wie hat er's aufgenommen?"
    "Ted?"
    "Sammy."
    "Oh! Sehr tapfer. Sie ist meine beste Freundin, musst du wissen. Und da ich den Gedanken die beiden zu verkuppeln super fand, haben wir praktisch nichts unversucht gelassen über die Jahre. Wir sind sogar in die Bowling-Gruppe eingetreten, aber Teddy war total fixiert auf's Training und hat jegliche Faxen rigoros unterbunden."



    "Ed bowlt?"
    "Sehr gut sogar. Er hat etliche Pokale gewonnen damals." Ich stutzte kurz. "Liest du seinen Blog nicht?"
    "Nicht mehr."
    "Weil du Angst hast etwas zu lesen, dass du nicht lesen willst?"
    Er seufzte leise und nickte. Ich konnte ihn gut verstehen, aber günstig war das grade nicht.

    "Pawati erzählt mir was sie für wichtig hält." Klang nicht, als hätte er darum gebeten.
    "Deine Schwester?", vermutete ich sofort, da ich wusste das die beiden zusammen wohnen.
    "Eine Freundin von Moira. Sie wohnt bei uns. Das heißt, eigentlich wohne ich bei ihnen."
    "Und deine Eltern?"
    "Sie leben in Japan." Er senkte den Blick und nuschelte: "Ich sollte längst wieder bei ihnen sein."
    "Du musst zurück?" Ich war schlicht weg entsetzt.
    "Müssen nicht, aber es war so geplant, dass ich ... Ich wollte eigentlich ... Es sollte nur über den Sommer sein."

    Teddy flippt aus, dachte ich und fühlte Panik in mir aufsteigen. Dann fiel mir ein, dass er es nie erwähnt hat. Das könnte bedeuten, er weiß es nicht. Oder, dass er Jou deswegen nicht an sich heranließ. Es würde seine Traurigkeit erklären. Au, verdammt.

    "Was sagt Teddy dazu?" Am liebsten hätte ich mir ans Herz gegriffen, so sehr puckerte es.
    Jou zuckte mit den Schultern. Ich versetzte ihm einen Tritt vors Schienbein. Reine Gewohnheit, sorry.
    "Er kennt meine Pläne... und ... mein Rückflug ist noch nicht gebucht."

    Liest du das Teddy? Dies war der Moment, in dem ich beschlossen habe deinen Blog zu kapern. Warum? Weil ich mir sicher war, du würdest mir nicht mehr richtig zuhören, sobald du von unserem Gespräch erfahren hättest. Also steck die Messer weg und lies weiter!

    "Und das war's?"
    "Bitte? Oh. Ja. Nein. Ich meine, Teddy hat irgendwann geschnallt was Sache war. (Ich vermute stark, das Jonah ihm entsprechende Vorhaltungen gemacht hat) Also erklärte er ihr rundheraus, sie sei wie eine zweite kleine Schwester für ihn und... Na ja, du kennst ihn ja, er stellte es nicht gerade geschickt an."



    Jou machte den Eindruck, als könne er gut nachvollziehen, wie sich das anfühlt.

    "Wir haben unsere Ambitionen danach natürlich zurückgeschraubt, obwohl sich an ihren Gefühlen nichts geändert hat. Sie wird ihn wohl immer lieben, die arme Maus."

    Ich kann es so frei schreiben, da es absolut kein Geheimnis ist. Teddy ist sich dessen bewusst, unsere Freunde und Familien auch. Unserer Freundschaft oder dem Zusammenhalt in unserer Gruppe hat es nicht geschadet.

    "Letztes Jahr, nach der Zehnten, war er ihr Prom Date."



    Jou war sehr still geworden. Ich rede einfach zu viel, wenn man mich reden lässt. Seine Mundwinkel zuckten allerdings verdächtig, als ich mit den Worten: "Was ich eigentlich erzählen wollte...", den ursprünglichen Faden wieder aufnahm.

    "Teddy hat natürlich alle Teile mit uns geschaut. Oder wir mit ihm? Wie auch immer. Wir sabberten den gleichen Bengel an und verfielen nach dem letzten Sendetermin in kollektive Trauer."
    "Ach?"
    "Yup. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie elektrisiert wir waren, als Teddy im Netz entdeckte, dass der Typ für einen Filmpreis vorgeschlagen war. Der Termin fiel zum Glück auf einen Sonntag und so machten wir uns ein paar Wochen später gemeinsam auf den Weg. Wir waren viel zu früh dort, hatten aber eine Menge Spaß."



    "Ein Star nach dem anderen lief auf, nur unserer nicht."



    "Gegen Nachmittag begann die Stimmung leicht zu kippen. Wir waren müde und hungrig, also gingen wir essen. Und es kam, wie es kommen musste."
    "Ihr habt ihn verpasst."
    "Vier von uns." Ich verzog das Gesicht. "Teddy und Sammy hatten die Stellung gehalten und ob du es glaubst oder nicht, unser Glückspilz hat ihn tatsächlich getroffen."
    Jous Augen wurden kugelrund.
    Ich scrollte flugs durch mein Handy. Leider vergeblich, daher konnte ich es ihm nur berichten: "Sammy hat sogar ein Foto von den beiden geschossen!" Ich werde wohl nie vergessen wie glücklich er war.



    "Wart ihr anderen sauer?"
    "Sauer? Nein. Warum sollten wir? Wir haben uns gefreut und wollten unbedingt noch ein Autogramm von ihm ergattern. Doch diese Verleihung zog sich hin und länger. Die Tussi am Eingang wurde immer unleidlicher, unsere Zeit knapper und pünktlich um 20 Uhr erschien Richard um uns ohne Autogramm zurück ins Internat zu bringen."



    "Hat er den Preis bekommen?"
    "Nein."
    "Und das war's dann?"
    "Nein, aber wenn du mich ständig unterbrichst, vergesse ich die Hälfte."
    "Bin schon still."
    "Gut. Das war's!" Ich grinste ihn frech an. Er verdrehte die Augen. "Fürs Erste. Die Geschichte geht natürlich noch weiter. Kurz nach der Verleihung wurde bekannt, dass unser Objekt der Begierde für einen Horrorfilm gecastet wurde."
    "Ach?"
    Ich blickte ihn an. Er machte eine Geste, als würde er seinen Mund mit einem Reißverschluss versiegeln.
    "Wir Mädels waren nicht wirklich angetan von dem Genre. Teddy hingegen schon."



    "Hat er jedenfalls behauptet, so richtig geglaubt hat es ihm keiner."
    "Weißt du wie er heißt?"
    "Keine Ahnung. Aber die Serie hieß 'Gemetzel im Mondlicht'. Er stirbt in Folge 3."
    "Oje."
    "Ich sag's dir." Ich verfiel in brütendes Schweigen, nicht unbedingt wegen des Serientods des Typen, eher wegen dem was danach passierte. Obwohl nicht alles schlecht war am Ausgang der Geschichte. Nur um das vorab klarzustellen, ich meine damit einzig und allein das Ende der Beziehung Teddys zu Jonathan Lee Blödmann.

    "Eve?"
    "Hm?"
    "Du magst es nicht."
    "Bitte?"
    "Das Lied. Du zuckst jedes Mal zusammen."

    Ich horchte auf und stellte fest, dass Teddy, nach dem er sich während meiner Erzählung an "Total Eclipse Of The Heart" von Bonnie Tyler abgearbeitet hatte, erneut bei den 4 Non Blondes angelangt war.

    "Ich... Es gab eine Zeit... Er hat's in Dauerschleife gespielt, bevor..." Ich brach ab und schloss die Augen. Es war ungefähr so hilfreich, wie bei meinem Bruder...



    Sofort war ich wie gelähmt, genau wie damals. Wie Nadja. Selbst Katze verharrte mitten im Sprung. Nein, natürlich nicht, aber sie blieb nach dem ersten Satz reglos sitzen, statt ihm hinterher zu springen, wie sie es sonst immer tat. Wenn Johann nicht so geistesgegenwärtig reagiert hätte. Ich weiß nicht, was ich getan hätte. Ich mag nicht einmal jetzt daran denken.

    "Du weinst ja fast." Jou berührte mich sanft am Arm. Ich blinzelte.
    "Ich... Er ... Es weckt unschöne Erinnerungen, weißt du. Ich... Es tut mir leid, Jou. Ich ... Möchtest du den Rest der Geschichte hören?"

    Warum in drei Teufels Namen sind seine Augen so ausdrucksstark? Mitleid, Verständnis, Unglaube, Zuneigung, zu uns wohl eher als allein zu mir, wechselten sich förmlich ab in ihnen. Seine Finger drückten mich kurz, dann zog er seine Hand zurück.

    "Wenn es dich ablenkt."

    Ich nickte und versuchte ein Lächeln. Es würde mir schon gelingen, dachte ich, denn das Schlimmste hatte ich ja bereits hinter mir. Teddy kehrte zurück zu Bonnie, was mich leicht verwunderte, aber "I Need A Hero", passte ziemlich gut zu meiner Stimmung.

    "Er, der Junge, war noch in ein paar weiteren Filmen, doch die wurde hier bei uns nicht gezeigt. Einer davon brachte ihm jedoch eine weitere Nominierung ein."
    "Vor zwei Jahren?"
    "Ja, Teddy war 19. Oder 20? Ich erinnere mich nicht genau, aber ich glaube, es war nach seinem Geburtstag. Wie auch immer. Jonah hatte ein Praktikum in einer angesehenen Anwaltskanzlei in Del Sol ergattert. Teddy war nicht gerade begeistert davon, denn eigentlich wollten sie reisen. Tja, stattdessen mieteten sie sich dort ein Apartment, für die Dauer der Semesterferien, weißt du."

    "Und was hat Eddie gemacht in der Zeit?"
    "Er hat Kunstkurse besucht. Jedenfalls dachten wir das. Ich behaupte nicht, dass er keine besucht hat", fügte ich hinzu, da ich nicht wollte, dass Jou denkt Teddy wäre ein abgefeimter Heimlichtuer. "Aber es waren nicht die einzigen Kurse, an denen er teilnahm. Nebenbei hat er noch ein Sicherheitstraining absolviert, sich bei der Filmakademie beworben und wurde..."
    "Der Türsteher mit den schönen Augen", murmelte Jou.
    "Richtig", bestätigte ich überrascht, denn eigentlich wollte ich sagen: Tatsächlich angestellt.

    "Sprecht ihr beide also doch mal miteinander, wenn ihr allein seid."

    Er wurde prompt rot. Sehr süß. (Wenn ich daran gedacht hätte, das Verliebte sich einfach jeden Blödsinn erzählen, hätte ich mir den Spruch verkniffen, sorry.)

    "Wie seid ihr ihm auf die Schliche gekommen?" Geschickt, geschickt. Respekt.
    "Er hat mir ein Selfie geschickt." Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Obwohl es bei der ganzen Angelegenheit kaum etwas zu grinsen gibt.



    "Ich ahnte natürlich was Teddy beabsichtigte und machte mich sofort auf den Weg."
    "Natürlich."
    "Ja, obwohl, sofort ist geprahlt. Erst musste ich den Direx von einer dringenden Familienangelegenheit überzeugen, die keinerlei Aufschub erlaubte. Dann Richard durchs Telefon quasi auf Knien anflehen mich abzuholen und nach Del Sol zu fahren, ohne meinen Vater davon in Kenntnis zu setzen und als ich endlich dort ankam, war der ganze Spuk schon vorbei."

    Vorbei trifft es auch nicht wirklich. Es war eher der Beginn dieser unheilvollen Kettenreaktion.

    "Was hat er gesagt?"
    "Geh weg." Ich presste die Lippen aufeinander. Jou, der Liebe, war sofort erneut besorgt um mich.
    Ich wedelte abwehrend mit der Hand und brachte halbwegs ordentlich heraus: "Er lag auf seinem Bett, als ich ankam und..." Jou runzelte die Stirn. Ich brach in hemmungsloses Kichern aus.

    Es tut mir so leid, ich mein, es ist so typisch für Teddy und statt genervt, hätte ich damals eher dankbar sein müssen, dass ich überhaupt eine Antwort erhielt, aber so im Nachgang ist es einfach nur funny.

    "Ich brauchte nur den Mund aufzumachen... Das einzig, dass ich aus ihm herauskriegen konnte, war... ."
    "Geh weg!" Jou traf den Ton so perfekt, dass es für mich kein halten mehr gab. Ein Wunder, das Teddy nicht auf uns aufmerksam wurde.



    Jou, der sich von meiner Heiterkeit hatte anstecken lassen und grinste von einem Ohr zum anderen.
    Ich nickte und japste nach Luft.
    "Und Jonah?"
    "Oh, der ... war übers Wochenende bei seinen Eltern."
    "Wie praktisch."
    "Ich sag's dir." Jetzt grinste ich ebenso breit, wie er.
    "Wie ging's weiter?"
    "Irgendwann", riss ich mich mühsam zusammen. "Erfuhr ich dann doch noch ein paar Einzelheiten. Teddys Plan war aufgegangen. Ganz offensichtlich."



    "Der Andrang der Fans und Fotografen sei gewaltig gewesen, erzählte er mir. Innerhalb von Minuten sei ein fürchterliches Gedränge entstanden. Und, wie Teddy so ist, hat er ohne groß nachzudenken, seinen Posten verlassen und begonnen die Meute wenigstens auf Armeslänge von ihm fernzuhalten."



    "Wie ein echter Bodyguard", warf Jou ein. Der Stolz auf Teds Heldentat war ihm deutlich anzuhören.
    "Als Dank hat er ein Autogramm bekommen." Jonah hat es später zerfetzt, der Idiot.
    "Nach seinem Bericht war ich natürlich auch völlig aus dem Häuschen."
    Jou schmunzelte vor sich hin. Sollte er öfter machen, er gewinnt dadurch ungemein.

    "Du siehst ihm ein bisschen ähnlich."
    "Weil wir Asiaten für euch alle gleich aussehen?"
    "Frechheit!"
    "Entschuldige."
    "Ausnahmsweise", grollte ich. "Weil mein Bruder dich so sehr mag."
    Er bemühte sich redlich zerknirscht auszusehen. Es gelang ihm nicht wirklich gut.

    "Wo war ich? Ach, ja! Das Beste hätte ich jetzt beinahe vergessen." Kleiner Seitenhieb, unbedingt erforderlich.
    "Teddy, der seinen Job durch die Aktion natürlich los war, was wir zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht wussten, die Kündigung kam erst später, hatte eine Verabredung mit ihm ... für den nächsten Tag!"
    "Nein!"
    "Doch!" omg, ich bin fast geplatzt vor Stolz damals. Okay, gestern Abend auch noch mal, ein klein wenig.
    "Das war natürlich der beste Grund ever um eine Party zu veranstalten."
    "Absolut."
    "Teddy quälte sich irgendwann vom Bett und unter die Dusche. Ich hab Sammy informiert. Brühwarm und ausführlichst."
    Jou lächelte. omg, schnell weiter im Text.
    "Sie trommelte den Rest von uns zusammen. Teddy ging einkaufen, ich räumte die Bude auf und am Abend stieg die beste Party unseres Lebens!"



    "Die spontanen sind immer die Besten", wusste Jou zu berichten. Ich konnte ihm da nur voll und ganz zustimmen, obwohl wir es vielleicht etwas übertrieben haben...



    "Und Jonah? Wie ist er dahinter gekommen? Hat er ihn ertappt? Oder..."
    "Ein Paparazzi-Foto war's."

    Jou murmelte etwas das ich nicht verstehen konnte, aber ziemlich angewidert klang. Falls ich es richtig interpretiere. Bin mir da absolut nicht sicher.

    "Angeblich hat er es ganz zufällig online entdeckt. Hat er jedenfalls behauptet. Ich kaufe ihm das nicht ab. Er war immer eifersüchtig wegen Teddys Schwärmerei. Gut möglich also, dass er direkt gesucht hat, um zu kontrollieren, ob Teddy sich unter das Fanvolk mischt." Ich wütete ein paar Sekunden still vor mich hin. Jou ließ es unkommentiert.

    "Wie auch immer. Er stürmte am nächsten Morgen in die Wohnung und hat eine unglaubliche Szene gemacht."
    "Und Eddie?"
    "Oh..." Ich schluckte ein paar Mal, weil mir richtig gehend übel wurde bei dem Gedanken. "Teddy ... Er hat zum ersten Mal dagegen gehalten. Es war furchtbar! Ich hatte solche Angst... Ich dachte wirklich, sie gehen sich jeden Moment an die Gurgel." Um ehrlich zu sein, Alan ist vermutlich grad noch rechtzeitig aufgewacht und dazwischen gegangen.



    "Eddie? Gewalttätig?" Jou war geradezu entrüstet von meinen Worten.
    "Nein! Nein, nein", beeilte ich mich ihm diesen Floh wieder aus dem Ohr zuziehen.
    "Jonah?" Wäre ich er, wäre ich spontan zu Staub zerfallen.
    "Sollte ich jemals dahinter kommen, mach' ich ihn kalt."
    "Sag Bescheid, wenn du ein Alibi brauchst." Ich war begeistert!
    "Teddy wäre begeistert!"
    "Ach?"
    "Na klar", erwiderte ich grinsend. "Von der Tat an sich wohl nicht", schränkte ich ein und prompt umwölkte Jous Stirn sich wieder.
    "Aber von der Tatsache, dass er mich die nächsten 30 Jahre nicht täglich im Knast besuchen müsste bestimmt."
    Jou schien amüsiert von dem Gedanken. "Du meinst, er würde das tun?"
    "Selbstverständlich." Wie konnte er das bezweifeln?
    Ein ungläubiges 'wow' flog mir aus seinen Augen entgegen.
    Also setzte ich noch einen obendrauf: "Du hättest ihn erleben sollen, als ihm aufging, dass er seine Verabredung verpasst hat."
    "Er hatte vor hinzugehen?"
    "Natürlich." Ich hoffe inständig, meine Antwort leistet seiner Eifersucht keinen Vorschub. "Wärst du nicht?"

    Sein Blick wanderte von mir zu Teddy. Besser gesagt, zum Klavier-, pardon, Flügeldeckel, denn der versperrte ihm unter Garantie die Sicht. Wie auch immer. Er lehnte sich zurück, wie ich vorhin und himmelte, was auch immer er sah, geradezu an.

    "So wie ihr euch anschaut, weiß man nicht wer der Löffel und wer die Eiscreme ist."

    omg, ich dachte, er fällt mir vom Stuhl. Ernsthaft, ich habe noch nie einen Menschen derart zusammen zucken sehen. Nicht einmal Teddy bekommt das hin. Egal wie unvermutet man ihm von hinten in die Seiten pikt.

    "Warum gehst du nicht rüber und knutscht ihn von seinem Hocker?" Ich hatte eindeutig den Verstand verloren, Jous Blick nach zu urteilen.
    "Es würde uns eine Menge Ärger ersparen, weißt du."
    Er schüttelte den Kopf.

    "Vertrau mir", sagte ich, einen Moment lang vergessend, dass Jou nicht der Typ ist, der irgendwelchen dahergelaufenen Willoughbys kübelweise Vertrauen über den Kopf kippt, nur weil sie es grad gern so hätten. "Es ist das Beste, dass du jetzt tun kannst."
    Jou schüttelte erneut den Kopf.
    "Warum nicht?"
    "Er mag es nicht." Selten so ein lasches Argument gehört. Ich wette, meine beiden Augenbrauen schossen umgehend in die Höhe.
    "In der Öffentlichkeit." Mist! Er hatte vollkommen recht. Selbst bei mir hat Teddy sich 'ne Weile zickig angestellt...



    Allerdings: "Das war nicht immer so, weißt du."



    Was nicht bedeuten soll, dass uns anderen dies ständige Zurschaustellen nicht gehörig auf die Nerven ging.



    Oder das es danach besser wurde. Unglaublich, wie viel Zeit ich damit verschwendet habe, die beiden auf Partys ausfindig zu machen...



    "Ach?"
    "Rate."
    "Jonah?"
    "Yup." Ich kriege dich noch dazu, die Drecksarbeit für mich zu übernehmen, während ich den Beton für Jonahs neue Tauchschuhe anrühre, dachte ich, als Jou pikiert den Mund verzog.

    "Warum?" Lag das nicht auf der Hand?
    "Teddy war es leid sich ständig erklären zu müssen." In Jous Augen glomm ein Funken Erkenntnis auf. Gut! Allerdings war ich noch nicht fertig mit ihm.

    "Stell dir einfach vor, heute wirst du vor aller Augen geherzt und geknuddelt. Und morgen darfst du jedem erklären, warum mal wieder Schluss zwischen euch ist..."
    "Klingt übel", murmelte Jou mit gesenktem Blick.
    "War es auch." Doppelt hält besser, hoffte ich.

    "War Eddie sehr traurig?", brachte Jou zögerlich über die Lippen.
    "Nö." Ich hielt seinem forschenden Blick ungefähr zwei Sekunden stand, dann platzte aus mir heraus: "Er war absolut cool!"
    "Ach?" Seine Miene hellte sich wieder auf. Etwas. Ein bisschen.
    "Ja, irgendwann wurde es ihm schließlich zu bunt, also hat er ihn aufgefordert seine Sachen zu packen und endgültig zu verschwinden. Selbst Jonah hatte da geschnallt, dass er den Bogen eventuell etwas überspannt hatte und fing mit seiner üblichen Entschuldigungstour an. Geschieht doch alles nur aus Liebe, blablabla."
    "Und Eddie?"
    "Der hat sich eiskalt an sein Keyboard gesetzt und die ganze Zeit 'Perfekt' von Cole Norton gespielt. Allerdings nicht in der Original-Tonlage von vorhin." Jetzt wisst ihr auch, welchen Moment ich ganz zu Anfang gemeint habe Ich feier das grad wieder, yay.

    Jou schien erschüttert. "Und ihr?"
    "Alan, Teddys bester Freund, musst du wissen, hat aufgepasst, dass Jonah friedlich blieb. Rose hat ihm beim Packen geholfen. Was ich ihr hoch anrechne. Sie ist seine Cousine, weißt du. Sammy hat auf dem Sofa gehockt und geheult. Okay, ich auch. Als die Spannung nachließ und weil der Streit wirklich schlimm war. Die ganze Atmosphäre war absolut gruselig."

    Jou versank in brütendes Schweigen. Ich tat es ihm gleich. Teddy spielte inzwischen 'American Pie' von Don McLean. Ich höre es nicht gerne. Es macht mich so traurig, weil ich im Februar geboren bin und ich dann immer an dies Foto denken muss. Lydia hat es am Tag der Beerdigung gemacht. Es ist eins der letzten von Teddy und unserem Vater zusammen...



    Es ist wirklich dumm von mir. Dabei hab ich so ein niedliches von uns dreien, sozusagen. Es steht auf meinem Nachtschrank. Zuhause und im Internat, aber mein Gehirn funktioniert so leider nicht.



    "Eve?"
    "Hm?"
    "Darf ich dich was fragen?"
    "Natürlich." Immerzu, dachte ich, frag, rede, lenk mich ab. Bitte, bitte lenk mich ab.
    "Das alles war vor zwei Jahren?" Aw, shit! Wie hat Teddy das genannt? Man muss aufpassen, was man sich wünscht?
    Ich nickte.
    "Es klang eben nicht so, als hätte ihn die Trennung sehr mitgenommen, aber... kam er in dem Dreh nicht in die Klinik?"
    "Drei Monate später."
    Jou sagte nichts, aber omg diese Augen.

    "Teddy war natürlich geknickt. Fünf Jahre sind eine lange Zeit und es war ja nicht alles schlecht." Gab ich widerwillig zu, weil's halt stimmte.
    "Aber?"
    "Aaaaaaber", ich zog es tatsächlich so in die Länge. Verstummte, regte mich heimlich auf und riss mich zusammen. "Am darauf folgenden Dienstag hat Vater ihn zu sich ins Büro zitiert."
    Jou runzelte die Stirn.
    "Um ihm gehörig die Leviten zu lesen." Sehr milde ausgedrückt von mir.
    "Ich dachte er sei gegen die beiden gewesen."
    "War er auch. Zu Anfang. Dann haben er und Jonahs Vater sich bei einer meiner Schulaufführungen kennengelernt und sind danach miteinander ins Geschäft gekommen. Ab da hat er es toleriert." Ignoriert trifft es besser.

    Jou sah mich an, als ergäbe es überhaupt keinen Sinn für ihn. Womit er völlig recht hatte, denn eine Antwort auf seine Frage war das noch nicht.



    "Nun ja, unser Kronprinzchen hat anscheinend den Rest vom Wochenende genutzt, um zur Abwechslung mal seine Familie zu terrorisieren. Jedenfalls sah Jonahs Vater sich genötigt, sich bei unserem Vater über Teddy zu beschweren. Ein Wort ergab das andere, nicht zwischen denen, aber zwischen Teddy und Vater. Mehr weiß ich nicht. Sie reden beide nicht drüber. Ende vom Lied war, Teddy hat das Apartment in Del Sol aufgelöst, sich Katze unter den Arm geklemmt und ist verschwunden."
    "Verschwunden?"
    "Weg, ohne jegliche Nachricht. Sogar sein Handy war tot." Nicht mal seine Kreditkarte hat er benutzt. Ich bin fast durchgedreht in der Zeit.

    Was dem Klima zu Hause nicht sonderlich zuträglich war. Dazu kam, dass Großvater ausgeflippt ist. Einmal wegen der geplatzten Geschäftsbeziehungen. Jonahs Dad ist Spitzenanwalt für Rechts- und Behördenkram, glaube ich. Zum anderen, wie üblich, weil mein Vater, seinen einzigen Sohn und den Erben des Imperiums nicht unter Kontrolle bekam.

    Als wäre er (Großvater), nicht schon genug damit gestraft, dass sein einziger Sohn, eine spanisch-portugiesische Tingeltante gegen seinen Willen geheiratet hat. Er nennt sie tatsächlich so und es ist ein Wunder, dass er es bis heute überlebt hat. Btw, das einzige Thema, bei dem Teddy und unser Vater auf einer Wellenlänge liegen.



    Nein, er musste ja unbedingt einen Jungen in die Welt setzen, der völlig ungeniert in Wolkenkuckucksheim offen in einer homosexuellen Beziehung lebt. Kurz und gut, seine Nachfahren sind die Schande der Dynastie und die reicht immerhin bis ins 13. Jahrhundert zurück. Blablabla.

    "Eve?"
    "Ja? Oh, du willst wissen wie es weiter geht?" Ganz sicher war er sich nicht, glaube ich, aber er hat vorsichtig genickt.
    "Johann wusste die ganze Zeit wo er war und hat sich verplappert."
    "Der Butler?" Für den Ton reiß ich ihm irgendwann die Ohren ab.
    "Es ist ihm herausgerutscht, als er mich heulend am Telefon hatte. Sammy und ich sind sofort in den nächsten Zug gesprungen."
    "Kein Richard diesmal?" Kläglicher Versuch meine Laune zu heben.
    "Der hatte strikte Anweisung mich nur noch zwischen Internat und Zuhause hin- und herzukarren. Das ist nicht lustig!"
    Jou setzte seine Maske sofort wieder auf. Bitte verzeih mir, bevor Teddy mich umbringt!
    "Und ihr habt ihn gefunden?"
    "Sammy hat ihn entdeckt. In einem dieser Läden in der Nähe des Place du Tertre."

    Ich dachte sie lässt ihn nie wieder los. Danach hatte er mich am Hals und etliche Mascara-Flecken auf seinem Hemd. Seitdem schwören wir auf wasserfest, ich würde euch gern verraten welche, aber ich kann mir echt nicht erlauben, dass Teddy meinetwegen noch Ärger wegen unerlaubter Werbung bekommt.



    "Er war in Paris?"
    "Ja, er war immer gern dort. Allerdings hat er das Penthouse gehasst."
    "Er hatte ein Penthouse in Paris?" Jou schien komplett vom Glauben abzufallen.
    "Nein, er bewohnte ein winzig kleines möbliertes Zimmer. Absolut schrecklich."

    Alles daran, außer die Lage, die war ganz nett. In der Nähe der Treppenstufen. Aber der Rest? Gruselig!



    "Glaub mir, ich kann das beurteilen. Sammy ist zwar am selben Abend noch abgereist, doch ich bin ein paar Tage bei ihm geblieben. Hat mir eine Suspendierung vom Unterricht eingebracht. Finde es bis heute etwas unsinnig jemanden der die Schule schwänzt vom Unterricht auszuschließen. Aber was solls."



    Jou runzelte die Stirn. Ich besann mich zurück aufs Thema.

    "Das Penthouse gehört unserem Vater. Wir waren immer in den Osterferien dort."
    "Nur zu Ostern?" Ironie konnte er also auch.
    "Ja, den Sommer über waren wir in der Südsee. Im Herbst Zuhause und über Weihnachten in den Bergen von..."
    "Warum frag ich überhaupt", nuschelte Jou mir dazwischen.
    "Weil du neugierig bist."
    Er nickte zerknirscht. "Warum hat Eddie es gehasst?"
    "Er hat Höhenangst."
    "Höhenangst?"
    "Yup, ich hab mich auch gewundert, als er für euer erstes Date einen Leuchtturm wählte..." Kann nicht schaden, dachte ich, wenn ich das ein wenig sacken lasse.

    Sein Blick wanderte zurück zu dem abgegrabbeltem Holzkasten.
    "Gehst du jetzt rüber?"
    "Um Eddie vor versammelter Mannschaft zu küssen? Nein."
    "Es ist mir völlig egal was du tust."
    "Ach ja?"
    "Abknutschen. In die nächste dunkle Ecke zerren oder gleich vor Ort lang machen. Was auch immer dir in den Sinn kommt, tu es einfach!"
    "Okay."

    Kennt ihr die Stelle in Harry Potter? Wo er und Voldemort die Zauberstäbe kreuzen? Ungefähr so fühlte sich unser Blickkontakt an.

    "Eve..." omg, er konnte sprechen ohne zu blinzeln. "...du hast mir gerade erzählt...."
    "Das ist Jahre her, Jou Wieauchimmerduhintenheisst!", regte ich mich auf und hatte prompt den Kürzeren gezogen.

    Ich rechne ihm an, dass er nicht selbstgefällig reagiert hat. Er sah nicht einmal so aus, als würde ihm der Gedanke in naher Zukunft kommen. Schlimm. Er macht es einem wirklich nicht leicht ihn nicht zu mögen. Ein Grund mehr ihm mit Argwohn zu begegnen.

    "Darf ich jetzt auch mal was fragen?"

  6. #196
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    Jou sah aus, als würde er überlegen, ob er sich mit einem Nein aus der Affäre ziehen könnte, gesagt hat er allerdings: "Nur zu."

    "Warum bist du hier?"

    Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes fragen, doch meine Intuition war wohl der Meinung, sein Wagemut müsse belohnt werden. Daher war mein Ton auch deutlich freundlicher, als bei meiner vorherigen Frage.

    "Ich wollte nicht allein zu Hause sitzen." Mit diesen halb fragenden Unterton, der ausdrückt 'was dagegen?'. Hoffe ich irre mich. Falls nicht: Die Antwort ist nein.



    "Du warst allein zuhaus'?" Soviel zu dem Thema, mich schockt im Zusammenhang mit meinem Bruder nichts mehr. "Warum?"

    Vielleicht sollte ich mich an dieser Stelle für meinen, wie Sammy es nennt, Verhörstil entschuldigen. Es ist nur so, dass einfach formulierte Fragen die beste Methode sind, um überhaupt etwas aus Teddy herauszubekommen. Insbesondere, wenn sein Verstand sich wegen akutem love overflow im stand-by befindet. Ich werde mich bemühen, dies zu ändern, denn anscheinend ist inzwischen eine unliebsame Angewohnheit daraus geworden.

    "Moira hat Dienst", erzählte Jou mir. "Und Pawati ... keine Ahnung was sie macht."

    Klang nicht so, als hätte er irgendein Interesse an ihr oder ihren Aktivitäten. Merkwürdig fand ich das. Nicht sein Desinteresse an sich, man kann schließlich nicht jeden mögen. Allerdings wohnen sie zusammen. Selbst wenn man sich nicht groß unterhält, so schnappt man doch zwangsläufig das ein oder andere auf, oder nicht?

    "Wusste Teddy das du allein sein würdest?" Rein rhetorisch, btw. Denn ein Ja hätte mein Weltbild komplett auf den Kopf gestellt.
    "Nein." Puh.

    "Wehe dir kommen jetzt irgendwelche Skrupel", nölte ich ihn scherzhaft an, als er nicht weitersprach. "Ernsthaft, ich kann unmöglich die Einzige sein, die sich hier in den Nesseln suhlt."

    "Quid pro quo?" Lässig, neutral, vielleicht einen Hauch herausfordernd.



    "Nein", entgegnete ich. Lehnte mich unbekümmert zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und verkündete: "Ich stell mir einfach ein paar worst-case Szenarien vor und picke mir dann das fürchterlichste heraus. Wird schon passen."

    Einmal mehr machten seine Mundwinkel ihm einen Strich durch die Rechnung. Scheint ein echtes Problem für ihn zu sein die zu kontrollieren. Merk dir das, Bruderherz, es wird dein Leben enorm erleichtern.

    Umgehend gab ich meine gespielt provokante Haltung auf, beugte mich zu ihm und hing gespannt an seinen Lippen. Er war etwas irritiert von meinem Gebaren, ließ sich dadurch jedoch zum Sprechen animieren.

    "Ich hatte schon seit ein paar Tagen vor Eddie zum Essen einzuladen, also habe ihn gestern angerufen, um zu fragen, was er vorhat." Oje.
    "Er war ganz aufgekratzt." Sein Blick ging direkt durch mich hindurch und er lächelte verklärt. "Er hatte kurz vorher mit dir telefoniert und erfahren, dass du zum Herbstfest kommen würdest." Autsch.
    "Ich hab mich natürlich gefreut für ihn, er ... er vermisst dich wirklich sehr." Geht mir ähnlich, dachte ich wehmütig.
    "Er steckte so voller Pläne und..."
    "Du hast nicht erwähnt, dass du ihn einladen wolltest?"
    "Nein."
    "Oder das du allein sein würdest?"
    "Nein." Oh man.
    "Warum denn nicht?" Eher Vorwurf, denn Frage.
    "Ich wollte nicht, dass er sich verpflichtet fühlt mich einzuladen und ..."
    "Ich glaube nicht", grummelte ich, "dass man meinen Bruder groß nötigen muss, damit er Zeit mit dir verbringt."



    Mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass ich seinen Gesichtsausdruck falsch interpretierte. Gestern dachte ich jedoch es sei ein schlecht verhohlenes Feixen, daher kam mir sofort ein Verdacht: "Veräppelst du mich grad?"

    Hätte ich mich etwas weniger bemüht herauszufinden, ob er versucht mir einen Bären aufzubinden, so wäre mir sein angedeutetes Kopfschütteln sicherlich entgangen. Nun gut, der Glanz aus seinen Augen war verschwunden, aber ob das allein mich überzeugt hätte? Eher nicht.

    "So langsam solltest du doch wissen wie er tickt", schnaufte ich ungehalten.
    "Darum ja..."

    Wie töricht war das bitte schön? Ernsthaft, nichts in mir war in der Lage sein Verhalten nachzuvollziehen.



    "Natürlich hätte er dich eingeladen. Ziel erreicht. Leben chic. Wo ist das Problem?"

    Jou senkte den Blick, was mich noch etwas mehr aufbrachte. Weiß der Himmel, warum ich mich förmlich quer über den Tisch warf, nur um eine Hand auf seinen Arm zu legen. Nun gut, wahrscheinlich, weil er aussah wie ein frisch verprügelter Hund. Wie auch immer. Es führte jedenfalls dazu, dass er mich wieder ansah, also riß ich mich zusammen und sagte, deutlich ruhiger, doch mit dem nötigen Nachdruck: "Er würde dich nicht einladen, wenn er es partout nicht wollte. "

    So weit geht Teddys Hang zur Höflichkeit nun auch wieder nicht. Im Gegenteil, er ist sogar äußerst geschickt darin, gerade diese gesellschaftlichen Klippen zu umschiffen. Oder abgebrüht genug, um entsprechende hints komplett zu ignorieren. Hoffentlich gucke ich mir das noch ab von ihm, denn ich tappe ständig in derartige Fallen. Absolut uncool.

    Vielleicht ging es Jou ähnlich wie mir? Ich war kurz davor ihn zu fragen, warum er sich das hier gab. Und mit hier hätte ich mich gemeint. Ich mein, ich weiß wie nervig ich sein kann und mir ist natürlich auch nicht entgangen, dass Jou sich nicht gerade pudelwohl in meiner Gesellschaft fühlte.

    Allerdings war ich mir nahezu sicher die Antwort zu kennen. Ich meine, wer wäre besser geeignet, als ich, wenn es darum geht Teddy ein wenig besser zu verstehen. Übrigens der einzige Grund warum ich es mir mit ihm gab. Nein, stimmt nicht. Zum Großteil war es pure Neugierde. Immerhin brachte dieser Mensch es fertig, meinen Bruder im Nullkommanix von Himmel-hoch-jauchzend zu Zu-Tode-betrübt zu switchen.

    Meinte er es ernst mit ihm? Oder war es nur ein kurzweiliger Zeitvertreib für ihn? Gnade ihm Gott, wenn letzteres der Fall sein sollte, dachte ich und entschied es sei an der Zeit ihm etwas genauer auf den Zahn zu fühlen. Was wäre dazu besser geeignet als ein Frontalangriff? Ich meine, so beherrscht wie er ist, blieb mir quasi keine andere Wahl, als auf das viel gerühmte Überraschungsmoment zu vertrauen, oder?

    Dies im Hinterkopf, ließ ich ihn keine Sekunde aus den Augen, als ich ihn fragte: "Willst du ihn überhaupt?"
    "Ja."

    Einfach so. Klar, deutlich, unmissverständlich. Kein Zögern. Kein Wimpernzucken. Kein 'was auch immer mein Bruder neulich gefaselt hat', anstatt einfach ebenso spontan wie Jou sein 'ja' ins Handy zu brüllen.



    Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, hob ich meinen rechten Arm, streckte die Hand aus und zeigte geradewegs in Richtung Klavier.

    Jou verzog unwillig den Mund. Mein Zeigefinger begann Löcher in die Luft zu piksen.

    Er schüttelte den Kopf. Gibt es wirklich kein besseres Wort dafür? Schütteln trifft's echt nicht. Könnte ihm vielleicht irgendjemand eine Ja/Nein-Wechselkelle schenken, pls. Die er nur hochhalten und drehen muss?

    Ich ließ den Arm fallen und stellte fest: "Euch ist echt nicht zu helfen."

    "Eve..." Nur ein winzig kleiner Tic an seinem rechten Auge verriet, wie angespannt er war.
    "Nein", unterbrach ich ihn dessen ungeachtet. "Mein Bruder hat es absolut nicht nötig, dass ich ihn hier anbiete wie Sauerbier. Wenn du das nicht siehst, oder wahrhaben willst, dann bist du dumm."

    Ein prima Moment, um aufzustehen und zu gehen, nicht wahr? Ich meine, wer würde bleiben, nach dem er so angepöbelt wurde, von jemanden den man nicht kennt? Nun, Jou tat es. Grund Gütiger, ich kann nicht behaupten, dass mir das gefallen hätte. Nötigte mir jedoch einiges an Respekt ab. Was ihn auf meiner Beliebtheitsskala auch nicht unbedingt nach oben katapultierte.

    "Wie verliebt muss man sein, um sich das anzutun?" Dachte ich, dass ich es dachte, doch anscheinend habe ich es ausgesprochen, denn von Jou kam ein unnachahmliches: "Ziemlich?"

    Verdammt, damit hatte er mich sofort wieder auf seiner Seite. Herr im Himmel! Okay, ich gebe es zu, ja, ich versteh dich jetzt und ja, du darfst mir das bis in die nächste Steinzeit unter die Nase reiben, Teddy. Ich verspreche hiermit hoch und heilig, ich werde entsprechende Aussagen von dir nicht mehr negieren. Allerdings lasse ich dahin gestellt, ob Jous einzigartiger Charme nun Fluch oder Segen ist.



    "Warum?" Sein Blick war göttlich. Die zweite unverfälschte Reaktion innerhalb weniger Sekunden möchte ich meinen.
    "Hör auf so zu grinsen, du weißt, was ich meine." Ein erbärmlicher Versuch die Oberhand zurückzugewinnen.
    "Nein, tut mir leid." Jetzt blitzen auch noch seine Augen vor Vergnügen.
    "Und damit solltest du auch aufhören."
    "Womit?" Obwohl er sich wirklich königlich zu amüsieren schien, klang er leicht verdutzt.
    "Dich ständig zu entschuldigen."
    Ach? Er hat es nicht gesagt, aber ich wette er hat es gedacht.



    Ich habs bislang nicht erwähnt, weil ich einfach zu faul war, aber er entschuldigt sich tatsächlich immerzu, für die unnötigsten Dinge.

    "Warum?"
    "Weil es eins der Dinge war, die Teddy so an dir mochte." Tempus bewusst gewählt.
    "Das ich mich nicht entschuldige?" Da war er ja mein Überraschungseffekt.
    "Nein, das du kein Blatt vor den Mund nimmst, insbesondere wenn dir etwas nicht passt."

    Passiert uns nicht oft. Nicht, das ich ein Problem damit hätte meinen Willen mühelos durchzusetzen, aber es ist schon wohltuend, wenn eine neue Bekanntschaft nicht zur Garde der üblichen Jasager aka Speichellecker gehört.

    "Ach?" Bis mich jemand vom Gegenteil überzeugt, vertrete ich ab sofort die Hypothese das sein normales 'ach' ein untrügliches Zeichen von Unsicherheit ist. Das Einzige, btw. Abgesehen von dem Tic, natürlich.

    Mit dem Nicken meines Kopfes, bestätigte ich seine Frage und beharrte auf meine eigene: "Also, warum?"

    Damit war es amtlich. Eve Willoughby ist nicht in der Lage zwei Hirnzellen nah genug zusammenzuschieben, damit der Funke überspringen kann. *Entschuldige bitte*



    "Was findest du an ihm?" Wie gesagt, aufgeben liegt nicht in meiner Natur. Ausflüchte akzeptieren allerdings auch nicht. Und um mich aus dem Konzept zu bringen, müsste er sich schon etwas mehr anstrengen.

    "Eddie ist..." Sein Blick wanderte zurück nach links, als müsse er sich kurz vergewissern, dann wurden seine Augen glasig, seine Stimme erstarb. Bei Gott, ich hoffe, dass mich wenigstens einmal in meinen Leben jemand so anschaut, wie Jou diesen Klimperkasten.



    "Gutaussehend, gebildet ... ein emotionaler Tollpatsch?"

    Jou klappte die Augen zu, nahm einen tiefen Atemzug durch die Nase, ließ seinem Schmunzeln freien Lauf und gab unumwunden zu: "Mehr, als ich mir je erhofft hab."

    Och nöö! Nicht noch so'n Träumer, stöhnte ich in Gedanken. Warum? Weil Teddy neulich auf eine ähnliche Frage von mir geantwortet hat Jou sei perfekt. Ernsthaft, wie kann man nur so verblendet sein? Ich mein, Teddy, okay, bei ihm ist in der Beziehung Hopfen und Malz verloren. Aber Jou? Von dem ich inzwischen überzeugt war, dass er derjenige sei, der in jeder Lebenslage einen klaren Kopf behalten könnte. Okay, abgesehen von diesem Eifersuchtsding, daran sollte er arbeiten. Aber sonst? Es war zum verrückt werden mit den beiden, wirklich wahr.

    "So wird das nichts mit euch!"
    Jou erschrak überzeugend natürlich. Ich mein, ich konnte ihm quasi dabei zusehen, wie er seine Felle davon schwimmen sah.



    Mein Mund verzog sich genervt, meine Augen vollführten einen Looping, auf meinen Lippen lag bereits ein blöder Spruch, doch dann... besann mich endlich darauf, dass es hier nicht um meine Befindlichkeiten ging, sondern um das Glück des Menschen der mir am meisten am Herzen lag. Tatkräftig unterstützt wurde ich dabei von eben jenem, denn Teddy spielte 'Everybody hurts' von R.E.M.

    Er hat es damals in der Klinik für mich aufgenommen, um mich zu trösten. Unfassbar eigentlich und der Grund warum mir einmal mehr das Wasser in die Augen stieg. Vielleicht sollte ich dankbar sein, dass er 'Mad World' von Gary Jules übersprungen hat. Hoffentlich muss ich es nie wieder hören.

    "Eve?" Jou war sichtlich verwirrt. Der Arme, wir machen es ihm wirklich nicht leicht.



    Ich rang mir ein Lächeln ab, entschuldigte mich und erklärte ihm, dass dies Lied meinetwegen auf Teddys Playlist war. Und mich das immer etwas aus der Fassung brachte.

    Diese Info schien ihm weder weiterzuhelfen, noch in irgendeiner Form zu beruhigen. Noch ein Pluspunkt für ihn. Allerdings ist Mitgefühl in solchen Momente absolut fatal für mich. Ernsthaft, ein liebes Wort und weg ist sie meine Selbstbeherrschung. Sämtliche Dämme brechen quasi augenblicklich und das war's dann vorerst mit mir. Allerdings habe ich im Laufe der Zeit ein paar Mechanismen entwickelt, um dem entgegenzuwirken. Einen davon setzte ich um.

    "Welches Lied wärst du?"
    "Ich? Ähm, Control?"
    "Von Zoe Wees?"
    "Ja."
    "Das ist... traurig." Beinahe hätte ich furchtbar gesagt, doch das war es nun wirklich nicht.

    Wie beschreibe ich Jous Reaktion am besten? Er hob seine Schultern, langsam und abwechselnd, als wäre er nicht sicher ob Zweifel an meiner Aussage grade wirklich angebracht wären und wiegte sich gleichzeitig auf seinem Sitz sacht hin und her. Gäbe einen coolen dance move ab, btw.

    "Als ich es das erste Mal hörte, dachte ich es sei für mich geschrieben." Das machte es nicht besser für mich, ehrlich nicht. Schien ihm auch aufzufallen, denn er sprach schnell weiter: "Es erinnert mich an meinen Vater." Er zwinkerte mir zu: "Wenn ich du wäre, würde ich es ihm vorsingen." Ooooooh!



    "Das ist schön", wisperte ich ergriffen.
    Er lächelte lieb. "Und du?"
    "Ich? Ich habe kein Lied für meinen Vater." Er bereute seine Frage umgehend, befürchte ich.
    "Aber ich hab eins für Teddy. 'You raise me up' von Josh Groban." Jou kannte es nicht, versprach jedoch es sich einmal anzuhören.

    Es ist arg sentimental. Vor ein paar Jahren wurde es im Rahmen einer Talentshow im telly vorgetragen. Ich hab es mir sofort heruntergeladen und dann mit Stöpseln in den Ohren Teddy vorgesungen. Es endete in einem Tränenmeer. Seitdem denke zwar noch sehr oft daran, aber ich singe es nicht mehr für ihn. Ich ertrage es einfach nicht ihn weinen zu sehen. Nicht einmal aus Rührung.

    "Ähm, falls du gemeint hast, welches Lied mir am meisten bedeutet, dann ist es 'River of dreams' von Billy Joel. Mein fight song könnte man sagen."
    "Ich liiiiebe das Lied!"



    Nicht sehr höflich von mir, doch damit nicht genug, sang ich auch noch die erstbeste Strophe, die mir in den Sinn kam. Jou strahlte, als hätte er genau das von mir erwartet und summte leise mit.

    Ich hätte mir denken können, dass Teddy meine Stimme heraushören würde. Und da 'River of dreams' einer meiner longtime fav songs war, dachte er sicherlich, ich würde ihm ein Friedenssignal schicken. Wie auch immer, er unterbrach sein Spiel umgehend, woraufhin auch Jou und ich abrupt verstummten.

    Eine unheimliche Stille trat ein, während wir uns mit großen Augen anstarrten. Grade so, als ob man uns bei irgendeiner Schandtat ertappt hätte. Okay, mein Herz rutschte tatsächlich eine Etage tiefer, denn ich war mir absolut nicht sicher, wie Teddy reagieren würde, wenn er uns so einträchtig zusammen sitzend entdeckt hätte. Bin mir nicht mal jetzt sicher. Luv ya, bro.

    Nun ja, wie auch immer. Am Nebentisch begann jemand den Percussionpart vom Anfang zu intonieren (mega beatbox btw), Jou schloss die Augen, seine Hände tappten den Takt auf seine Oberschenkel und dann … erklang Teddys Stimme, mit diesem langgezogenen uuuuuu-aaaaa. Gänsehaut pur, sag ich euch.

    Ich gab ihm den Backroundgesang. Die ersten Töne erklangen. Schmeichelnd, leise, dann legte Teddy los, als gäbe es kein Morgen mehr und innerhalb von Sekunden brannte die Hütte. Wer nicht mitsang, der tanzte, es war der Hammer.



    Jou war völlig weggetreten. Ging ab wie Schmitz Katze, wirklich wahr. Teddy hatte zwar mal erwähnt, dass er gern tanzen ging, doch solch ein Rhythmusgefühl hätte ich ihm nicht zugetraut. In seinem Gesicht ging der Punk ab, er sang jede Silbe des mainparts gemeinsam mit Teddy. Nun ja, es war eher playback in Reinkultur, denn über seine Lippen kam kein Laut. Wie auch immer, es ist mir rätselhaft wie er sitzen bleiben konnte, obwohl sein Oberkörper so selbstvergessen 'tanzte'. Wenn er sich immer so geschmeidig bewegt, dann wundert es mich nicht mehr, dass *TEddie ihm so gern beim Tanzen zuschaut*.

    Er kam erst wieder zu sich, als der Rest von uns zu johlen und zu pfeifen begann. Teddy reckte eine Faust in die Höhe, ich lachte befreit, als ich es sah. Denn das war ein untrügliches Zeichen dafür, dass auch er gewillt war das Kriegsbeil zu begraben. Der Barkeeper rief: "Happy Hour!", die Menge strebte Richtung Bar davon und ich kam nicht umhin Jou zu fragen: "Ist es vielleicht das, was du suchst?"



    omg, er ist so süß, wenn er verlegen wird. Lachen, nicken, erröten, Hände ringen, es war alles dabei. Teddy spielte unverdrossen weiter. 'Tell her about it', ebenfalls von Billy Joel, allerdings tauschte er das Personalpronomen der "dritten Person" singular.

    Als es mir auffiel, wäre ich fast aufgesprungen und hätte ihn selbst in Grund und Boden geknutscht. Wirklich wahr, denn so offensichtlich ist mein Bruder sonst nie.



    Stattdessen habe ich es ihm letzte Nacht zugeflüstert, kaum dass er das Licht gelöscht hatte. Sorry, wenn dir das den Schlaf geraubt hat.

    Jou himself kamen derlei Gedanken anscheinend nicht. Nun ja, wenn ich ehrlich bin, dann saß er da wie vom Donner gerührt. Was auch immer er gerade macht, ich vermute stark, dass ein Teil von ihm jetzt noch dort sitzt, während sich ein anderer weiterhin auf der Flucht befindet. Danke fürs Ablenken btw <3

    Ich versuchte nicht noch einmal ihn zu animieren. Vielleicht auch, weil Teddy zunächst bei Billy blieb und dies ein weiteres untrügliches Zeichen dafür war, dass er sich wieder im Griff hatte. Gefahr gebannt sozusagen.

    Nun ja, wie man's nimmt, denn es folgte 'My life'. Bevor Jou erneut auf dumme Gedanken kommen konnte teilte ich ihm mit: "Das ist für unseren Vater. Teddy hat es in der Woche gespielt, bevor er hierhergezogen ist. Pausenlos." Okay, das ist übertrieben, aber täglich ein-, zweimal passt.

    "Wow." Keines der begeisterten Sorte, eher ein ungläubig staunendes.

    "Ja, nicht unbedingt ausgesprochen nett von ihm, aber das war der Streit zuvor auch nicht. Allerdings sehr pfiffig, denn Vater lag mit einem verstauchten Knöchel die meiste Zeit nutzlos auf dem Sofa. Er kam also nicht drumherum, es sich anzuhören." Ja es klang so maliziös wie es sich liest. Tut es mir leid? Eher nicht.



    Hhm, vielleicht solle ich das näher erklären. Mamás, nein Teddys Flügel steht seit langem auf der Empore im ersten Stock. Und da unser Treppenhaus offen ist, hört man Teddy quasi im ganzen Haus, vor allem wenn er es darauf anlegt. Hat Vaters Stimmung nicht unbedingt verbessert, aber verdient ist verdient, nicht wahr? Und so typisch. Ich meine, er hätte sich den Knöchel ja auch in der Stadt verstauchen können, aber nein, es musste ihm ja bei uns passieren. Direkt bei der Ankunft. Pff.

    Es folgte 'Piano Man', Jou lauschte hingerissen. Ich hing meinen Gedanken nach.

    War wirklich keine schöne Woche. Teddy war erst kurz vorher aus Paris zurückgekehrt. Vater hatte den Druck kontinuierlich erhöht, so nach dem Motto: Langsam müsste er es doch überwunden haben und entweder sein Studium wieder aufnehmen oder in die Firma eintreten. Wir gingen ihm die meiste Zeit aus dem Weg, was wegen des Knöchels ein leichtes war. Wie auch immer. Ich erinnere mich noch gut wie geschockt ich war, als Teddy mir eröffnete er würde ausziehen. Ich habe es erst gar nicht richtig begriffen.



    Schon klar, Teddy ging nach dem Abi auf die Uni und lebte dort. Er kam also eigentlich nur noch an den Wochenenden, bzw. in den Semesterferien nach Hause. Was ich an sich schon äußerst doof fand, aber es war nur eine knappe Stunde Fahrt, also zählte es praktisch nicht. Sein Jahr in Frankreich war schlimmer, obwohl wir ihn dort jedes Wochenende besucht haben. Sammy, Alan und ich, nur damit wir uns richtig verstehen. Zusammen, einzeln, bunt gemischt.

    Aber als ich begriff, dass selbst das in Zukunft wegfallen würde, nun ja, es fühlte sich an, wie ein eigens für mich inszenierten Weltuntergang. Dazu noch diese Schnapsidee, dieses Single-Projekt. Ein unfassbar dämlicher Einfall, *zensiert* wirklich wahr. Vielleicht hätte ich es eher akzeptieren können, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, er sei glücklich mit seiner Entscheidung. Oder, wenn es keine Kurzschlussreaktion, sondern gut überlegt gewesen wäre. Nun ja, dann wurde auch noch der Starttermin vorverlegt. Teddy behauptet bis heute steif und fest ich hätte, nachdem Johann ihn über die Änderung informiert hat, eine geschlagene Stunde keinen Mucks von mir gegeben. Ernsthaft, wer glaubt ihm das?



    Das Einzige, an das ich mich erinnere, ist, es war das letzte Mal, das ich mich mit seiner Hilfe in den Schlaf geheult hab. Ist absolut nicht zynisch gemeint. Teddy ist quasi der Golden Slam des Tröstens. Sammy und ich vermuten, es liegt daran, dass er so früh erlebt hat wie es nicht funktioniert.



    Ja, ja, dass du mich die Treppen hochgeschleppt hast, bestreite ich ja gar nicht. War übrigens auch das letzte Mal. Und das letzte Mal runter ist auch schon wieder ein paar Monate her. Nur damit du Bescheid weißt und nicht frierst, Bruder.

    Das war auch so'n Ding. Es war der Tag meines Abschlussballs nach der Zehnten (ja, auch ich hab ein Jahr verloren damals). Einer dieser wenigen Pflichttermine, die man wahrnehmen muss, damit die Leute sich nicht das Maul zerreißen. Vater hatte also zugesagt mich zu begleiten. Nun ja, als seine Sekretärin anrief, um auszurichten, dass er es bedauerlicherweise nicht schaffen würde, war ich am Boden zerstört. Warum weiß ich gar nicht so genau, aber ich hab ein unglaubliches Theater veranstaltet.

    Johann wusste sich nicht besser zu helfen, als Teddy anzurufen. Der sprang in San My ins nächste Taxi. Setzte sich zu mir und sagte: "Wenn du magst gehe ich mit dir." Ich war viel zu bockig um sein Angebot zu würdigen oder gar anzunehmen. Und er ... saß einfach nur da, hat mich angeschaut und gewartet. Stundenlang.



    Irgendwann war ich so abgenervt davon, dass ich aufsprang und in mein Zimmer rannte. Duschte, mich anzog und wieder rumzickte. Da hat Teddy dann kurzen Prozess gemacht, sozusagen.



    Er verfrachtete mich ins Auto, Richard düste, kaum das die Tür richtig zu war, mit quietschenden Reifen aus der Garage, sodass der Kies in der Auffahrt in alle Richtungen flog. Unser Gärtner flucht bis heute, wenn er den Rasen mäht. Wie auch immer. Bei der Ankunft sagte Teddy nur: "Es ist mir egal, ob du aussteigst oder nicht. Aber wir werden hier stehen bleiben, bis der Letzte den Ball verlassen hat." Pff.



    Muss ich extra erwähnen, dass es der beste "Vater"-Tochter-Tanz ever war? Oder das sich die Lehrer immer noch das Maul darüber zerreißen?



    Selbst auf das offizielle Foto hat er bestanden.



    Lieb dich so, und sorry btw, für die Abmahnung, die du deswegen von der Galerie kassiert hast. Nächstes Mal, haust du nicht einfach ab, sondern sagst, dass es einen Notfall in der Familie gibt. Klappt immer ; )



    "Hallo? Erde an Eve?"
    "Ja bitte?"
    Er schüttelte in einer Mischung aus Staunen und Belustigung den Kopf und wiederholte wahrscheinlich: "Eddie hat ein ziemlich großes Repertoire."
    "Findest du?" Hätte er es sonst erwähnt? Wohl eher nicht.
    Jou nickte.
    "Er faked viel." Lebensgefährliche Behauptung meinerseits.
    "Klang eben nicht so." Stimmt.
    "Das Lied kennt er, weil ich es so sehr mag." Meine Güte, schalt ich mich, reiß dich zusammen Eve.
    "Außerdem ist es dein Gute-Laune-Song, also ..."
    "Ich glaube nicht, dass er es weiß. Von mir jedenfalls nicht."

    Vielleicht sollte ich Kopftremor Modell für Lehrvideos werden. Genug Übung kann ich vorweisen. Jou beeindruckte es eher weniger, denn er sprach einfach munter weiter.

    "Und es erklärt nicht den Rest. Er spielt Rock, Ragtime, Musicals, Klassik ... Blues. Egal wonach er gefragt wird, er..."
    "... hat den perfect pitch. Wenn er ein Lied kennt, dann kann er es spielen. Wenn nicht, spiel es ihm vor und er spielt es nach. Vorsingen reicht auch, wenn er es erkennt, spielt er es. Wenn nicht bekommst du deine Version retour", leierte ich herunter.



    "Man kann es lernen, als kleines Kind", fügte ich hinzu, da sich mir der Verdacht aufdrängte, Jou fühle sich nun von mir verschaukelt. "Teste es, wenn du mir nicht glaubst." .
    "Doch, doch, es ist nur sehr selten und ... angeboren?"
    "Selten, ja. Ungeboren nicht unbedingt. Also man dachte es früher, ist aber nicht ausschließlich so. Mamá hat ihn sehr früh gefördert und... Ist dir bekannt, dass sie Konzertpianistin war?"
    "Nein." Warum frag ich überhaupt.
    "Na, dann weißt du es jetzt. (Er nickte. Wie nett.) Großmutter hat damals darauf bestanden, dass sein Unterricht fortgesetzt wird. Das Ergebnis ihrer Bemühungen sitzt dort drüben, falls du rübergehen und ihm deine Reverenz erweisen möchtest."
    Wollte er nicht. Nicht sofort jedenfalls. Später vielleicht???

    Stille, wenn man einmal von den üblichen Kneipengeräuschen absieht.
    Geändert von Laska (Gestern um 12:39 Uhr)

 

 
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