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  1. #1
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    Großstadtträume

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    Großstadtträume
    Kapitel 1 - Die Nadelspitze der Realität











    Hi. Ich bin Johanna und das bin ich, gerade frisch angekommen in San Myshuno. Ich stehe vor meinem neuen Zuhause und dachte mir, das sei eine tolle Gelegenheit für ein erstes Foto. Nun, da habt ihr es.
    Wie man sehen kann, bin ich voll freudiger Erwartung. Ich bin am Rande einer Kleinststadt aufgewachsen und mal ehrlich - bei all der Idylle kann es schonmal ziemlich langweilig sein. Immer geht alles seinen geregelten Gang, man kann Nachts jederzeit durch die Straßen schlendern ohne sich Sorgen machen zu müssen und wenn man mal laut hustet, steht sofort ein besorgter Nachbar bereit. Kurz gesagt: ätzend.


    Also habe ich schon vor langem klar gemacht, dass ich nach der Schule sofort in die Stadt ziehen werde. Vielleicht nicht für immer. Aber in der Stadt gibt es ohnehin die besseren Jobangebote, und so ein bisschen Erfahrung sammeln ist doch auch etwas gutes, oder?
    Es hat letztendlich ein bisschen gedauert, aber dann habe ich die perfekte Behausung für den Start in mein neues, spannendes, aufregendes und erfolgreiches Leben in den Kleinanzeigen gefunden.
    Und da ist es:




    Hier, genau diese Fenster im ersten Stock sollen zu meinem zukünftigen Zimmer weisen. Hübsch, nicht? Was für ein schnuckeliger kleiner Erker.




    Und das ist die Tür zu meinem neuen Leben, meinem Traum, meinem ...










    Upps. Freundlicher Empfang sieht anders aus.





    Wobei, der Typ im Hintergrund ... könnte schlimmer sein
    Und da lächelt die Frau auch schon. "Hi. Ich bin Helen. Du musste Johanna sein, hm? Komm rein."
    Vielleicht war ja doch alles nicht so schlimm.




    Achja, ich habe noch gar nicht erwähnt, dass ich mich hier um ein WG-Zimmer beworben hatte. Ein sehr, sehr günstiges. Klar, ohne Job muss man Abstriche machen. Aber so als vorübergehende Lösung kann auch eine WG wirklich toll sein.


    Ich betrat also die Wohnung. Sie war ... anders.
    Dreckig. Heruntergekommen. Scheußlich. Mehr als spärlich eingerichtet mit Möbeln wie vom Sperrmüll Und es stank leicht modrig.


    Ich wollte Großstadt. Und nun hatte ich sie. Also holte ich tief Luft, stammelte ein "Hi" und trat ein, wo Helen mich zu einem Sessel bat. "Setz dich doch. Das ist übrigens Samuel, mein Bruder und Mitbewohner."
    Die beiden setzten sich ebenfalls und Samuel lächelte mich freundlich an. "Willkommen im Dschungel."






    Nun, wir plauderten ein bisschen. Helen erzählte mir, dass sie derzeit in den sozialen Medien arbeitete, aber eigentlich einen Job als Filmstar anstrebte. Gut, immerhin war ich nicht die einzige mit Träumen hier.
    Samuel, der übrigens wirklich, wirklich sympathisch war und noch dazu gut aussehend und durchtrainiert ... machte ein Praktikum im Krankenhaus. Er wollte Arzt werden - fast zu perfekt, um wahr zu sein. Ich versuchte, bei seinem Anblick nicht zu sabbern.
    Natürlich erzählte ich auch von mir. Auch wenn es da nicht viel zu erzählen gab. Immerhin schreckte meine potentiellen Mitarbeiter meine Arbeitslosigkeit nicht ab. Dafür musste ich bei dem Preis für das WG-Zimmer schlucken. In der Anzeige war es noch günstiger gewesen - aber sie hätten in der Wohnung renoviert und dadurch sei einiges teurer gewurden, erzählte Helen.
    Ich sah zwar nichts, von einer Renovierung, aber gut ... ich wollte ohnehin Arbeit finden und mit einem guten Job wäre das Geld auch kein Problem mehr. Dann musste ich mich eben etwas beeilen.


    "Das dort wäre dein Zimmer. Schau es dir einfach mal an. Da drüben ist das Bad, nur das Zimmer daneben ist tabu für dich - das teile ich mir mit Samuel", erklärte Helen.


    Neugierig ging ich zu dem Zimmer und öffnete die Tür.





    He, das sah ja ...





    ganz gut ...




    aus... oder auch nicht!






    War das ihr Ernst?! Ein bemalter Totenkopf! Graffity! Ein schief gezimmertes Bett, eine Petroleumlampe, angegammelte Wände, abgeschabter Teppich!
    Echt jetzt?!


    Positiv denken, ermahnte ich mich. Immerhin hat das Zimmer viele Fenster. Es war hell und ... ähm ... naja, es war eben hell. Könnte schlimmer sein.


    Ich ging hinüber ins Bad.





    Und wieder froren mir die Gesichtszüge ein.
    Es roch nach abgestandenem, dreckigen Wasser und war insgesamt in einem ähnlichen Zustand wie der Rest der Wohnung.
    Ok.
    So sieht also die Großstadt aus.
    Mein Traum von der Großstadt war eine schillernde Seifenblase und diese Wohnung die unbarmherzige Nadelspitze der Realität.
    Hmpf. Realität kann ätzend sein.


    Etwas verunsichert kehrte ich ins Wohnzimmer zurück, wo Helen gerade im Flüsterton eine hitzige Diskussion mit ihrem Bruder führte. Ob sie wohl über mich stritten?





    Als Samuel mich entdeckte sprang er sofort auf. "Hey, hast du Hunger? Ich koche uns mal eine Kleinigkeit." Ohne auf meine Antwort zu warten, machte er sich an die Arbeit.






    Ich war schon daran gewesen, das Vorhaben Großstadt abzublasen, aber der Anblick des kochenden Samuel schmolz die vereisten Gesichtszüge schnell wieder zu einem, wenn auch leicht dümmlichen, Lächeln und so stimmte ich, als Helen mich fragte, ob ich einziehen wolle, geistesabwesend zu.





    Der Duft von leicht angekohltem Rührei zog durch die Wohnung und ich freute mich, angekommen zu sein.
    Das mit dem Geld - das würde sich schon geben ...




    ... Fortsetzung folgt ...

  2. Die folgenden 3 Benutzer bedanken sich bei Firnwind für diesen Beitrag:

    Angel (11.11.2016), Kuschi (02.02.2017), PinkSouL697 (06.11.2016)




  3. #2
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    Der Anfang klingt schon mal vielversprechend, deine Texte lassen sich gut lesen Bin gespannt wie es mit Johanna weiter geht Ich selbst war vom Trailer des neuen Addons nicht wirklich angetan, weil ich die Großstadt in Sims 3 schon nie genutzt habe und ich eh immer noch auf Kleinkinder warte ... Und jetzt? Seit heute bin ich nun doch stolze Besitzerin von Großstadtleben, tja so schnell kann es gehen

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    Firnwind (07.11.2016), Kuschi (02.02.2017)

  5. #3
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    Dankeschön
    Soviel sei verraten, die Story soll ein wenig in Richtung Mystery abschweifen

    Ich bin eigentlich auch kein Fan von Großstadtleben, aber als Kulisse für eine Story taugt es ganz gut
    Kleinkinder sind mir sogar ziemlich egal, ich spiele eigentlich nicht mit Kindern. Was ich mir seit Erscheinen von Sims 4 ganz, ganz dringend wünsche ist alles, was in Richtung Wetter und Tiere geht.

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    Kuschi (02.02.2017)

  7. #4
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    Kapitel 2 - Neuer Tag, neues Glück (oder auch nicht)


    Am nächsten Tag machte ich mich gleich auf die Jobsuche. Für's Erste musste es ja nichts Besonderes sein, also ging ich einfach zum nächstbesten Stand auf dem Markt und stellte mich dort vor.
    Die Frau dort verzog jedoch nur das Gesicht und wies mich schroff ab.



    Was soll's, dachte ich mir. Hier gab es schließlich noch andere Möglichkeiten und mit ungebremsten Optimismus (andere würden es wohl Naivität nennen) ging ich zu einem Marktstand, wo Gemüse verkauft wurde.




    Die Verkäuferin sah mich an als sein ich ein Alien, das gerade aus einer Jauchegrube gestiegen war.
    Wow. Ich machte echt Eindruck auf die Leute. Nur leider keinen guten, wie mir schien.
    So langsam begann ich zu zweifeln.




    Da entdeckte ich einen Brunnen, in dem einige Münzen glitzerten. Kurz überlegte ich, meine Geldsorgen auf etwas andere Weise zu lösen, aber dann zog ich doch ein Geldstück aus meiner Hosentasche und warf eine Münze hinein. Möge sie mir Glück bringen und sich reichlich vermehren.




    Wie es schien, brauchten solche Brunnen ihre Zeit. Vielleicht war auch die Münze nicht die richtige gewesen. In jedem Fall blieb dieser Tag erfolglos und der nächste auch.
    Am Abend, bereits weit weniger naiv (ich meine natürlich, optimistisch) als am Tag zuvor, entschloss ich mich, es in einer Bar zu versuchen. Sollte ich hier scheitern konnte ich immerhin gleich den anwesenden Alkohol nutzen um noch etwas positives zu gewinnen.




    Zuerst blickte die Bardame erstaunt drein. "Soll das ein Scherz sein?" fragte sie mich.
    "Nein, ich meine das ernst. Ich habe zwar nicht viel Erfahrung, aber ich lerne schnell", versicherte ich.



    Da begann sie, zu lachen. Ich wusste gar nicht, dass ich so witzig bin. Niedergeschmettert drängte sich das Bild einer Clown-Karriere in meine Vorstellung.




    "Ganz sicher?" fragte ich noch einmal nach. Die Vorstellung des Clowns hatte mich doch noch einmal motiviert. Ich hätte auch auf Knien gebettelt, wenn ich dafür einen Job bekommen hätte. ""Wirklich, ich würde alles tun!"


    Nun erklang auch von neben mir ein Lachen. Der Typ krümmte sich und bekam kaum noch Luft.
    Ich wäre am Liebsten im Boden versunken.
    Doch weil das nicht ging, schnautze ich ihn an: "He, was soll das? Kümmer dich um deine Angelegenheiten!"




    Das Lachen verebbte und der Typ starrte mich finster an. "Selber schuld, wenn du dich lächerlich machst. Aber he, wenn du es so dringend nötig hast, warum versuchst du es nicht als Latrinenputzerin drunten an den Docks?"


    Fast hätte ich angenommen. Fast. Für einen winzigkleinen Augenblick dachte ich ernsthaft darüber nach. Schnell siegte jedoch mein Stolz, auch wenn dieser selten zu klugen Handlungen anregte.




    "Nein danke, das kann ich nicht machen. Ich will dir doch nicht deinen Job wegnehmen!" fauchte ich ihn an. Ha! Danach fühlte ich mich gleich ein bisschen besser. Dem hatte ich es aber gezeigt.
    Genüsslich setzte ich Plan B für diesen Abend in Kraft und trank einen leckeren Cocktail.




    Ein wenig später kam ich so niedergeschlagen in die WG zurück, dass Helen vorschlug, wir sollten gemeinsam in die Disco gehen - das würde die Laune heben.
    Entgegen meines ersten Eindrucks stellte sie sich immer mehr als sehr nett und voll ok heraus. Ich hätte es schlechter treffen können mit meinen Mitbewohnern.
    Und allein schon wegen Mitbewohner Nummer 2, Samuel, freute ich mich auf einen sorgenlosen Discobesuch.




    Wir hatten wirklich Spaß. Der DJ war klasse und die Stimmung auch.
    So bemerkte ich erst, wer hinter mir tanzte, als ich eine wohlbekannte Stimme vernahm.
    "Geh aus dem Weg, hier wollen auch noch andere tanzen!"
    Ich drehte mich um, zu sprachlos für eine passende Erwiederung.
    "Ach sieh einmal an. Du bist das schon wieder", meinte der Typ aus der Bar und verzog spöttisch das Gesicht.




    "Hmpf. Danke, gleichfalls", machte ich und verzog mich. Ich hatte keine Lust auf Streit. Das kam selten vor, aber es kam vor - vielleicht lag es am Cocktail.
    Oder daran, dass Samuel mich schnell ablenkte.
    Täuschte ich mich - oder flirtete er mit mir?




    Nicht dümmlich grinsen. Nicht dümmlich grinsen. So sprach ich mir in Gedanken mein Mantra vor.
    Der Erfolg ... ach, seht selbst.




    Ich vergaß alles andere um mich herum, während ich mit Samuel plauderte. Er war so toll.
    Da bemerkte ich aus de Augenwinkel, dass auch Helen jemanden gefunden hatte.
    Das durfte nicht wahr sein!
    Ausgerechnet dieser ... dieser ... !




    Das machte der doch mit Absicht!
    Ade, gute Laune.


    Spät am Abend oder auch früh am Morgen, wie man es ausdrücken mag, kehrten wir nach Hause zurück.
    An der Pinwand im Flur vor der Wohnung hing ein neuer Zettel und Helen steuerte gleich ganz aufgeregt darauf zu.




    "Warte mal Jo", meinte sie. "Schau, da hängt etwas ... lass mich mal kurz lesen.
    "Hm? Was ist das?" fragte ich.
    Helen las konzentriert. "Sehr komisch", sagte sie schließlich. "Da wird jemand gesucht. Um ein Spukhaus zu erkunden." Sie blickte auf. "Das wäre doch was für dich!"
    "Äh.. Spukhaus? Du meist so ein komisches Ding mit geschminkten Menschen, die kleine Kinder erschrecken?" zweifelte ich. Das klang wirklich ... gewöhnungsbedürftig.
    "Nein, nein! Ich hab schon davon gehört, das ist das Hayden-Haus! Da soll es wirklich Geister geben und spuken! Angeblich kommt dort niemand mehr raus, der Nachts hinein geht!"
    Ok. Geister. Gut, warum nicht. Alles klar ... "Hör mal Helen, ich suche einen richtigen Job mit Bezahlung ... keine Hirngespinste!"
    So langsam machte ich mir Sorgen. Helen wirkte richtig begeistert! "Ach nun hab dich nicht so! Das ist cool! Was hast du schon zu verlieren?"
    Ich seufzte. "Danke, aber ich glaube icht, dass das etwas für mich ist."
    "Weisst du was? Ich werde mit dir dort hingehen!" begeisterte sich Helen immer mehr. "Seh es einfach als kleines Abenteuer, für das du bezahlt wirst! Außerdem ... ich liebe diese alten Häuser!"
    Was sollte ich da noch sagen? Mir fiel einfach kein Gegenargument mehr ein. "Also ... na gut. Okay, warum nicht."




    "Super!" freute sich Helen. "Das wird bestimmt lustig!"


    Lustig ... ja, das sollte es wohl werden. Nicht für mich, natürlich. Aber ich wusste zu diesem Zeitpunkt ohnehin noch nicht, worauf ich mich da eingelassen hatte.
    Das Hayden-Haus.
    Ein kleines, schnuckeliges Haus mitten in der Stadt. Was sollte dort schon passieren?



  8. Die folgenden 3 Benutzer bedanken sich bei Firnwind für diesen Beitrag:

    Angel (11.11.2016), Kuschi (02.02.2017), PinkSouL697 (07.11.2016)

  9. #5
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    deine story liest sich sehr gut, ich bin schon richtig gespannt was im haydn-haus passieren wird. ist das wirklich auf der pinnwand gestanden? ich hab wohl auch schon großstadtleben als addon aber noch nie an der pinnwand nachgesehen was da oben steht XD. ich hoffe es geht bald weiter .
    https://romissimwelt.wordpress.com/

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    Firnwind (11.11.2016), Kuschi (02.02.2017)

  11. #6
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    Also an den Bildern habe ich (noch) nichts manipuliert (wird aber noch kommen ).
    Aber sowas steht da auch nicht wirklich, man kann irgendwie eine Nachricht - je nach Stimmung - hinterlassen und solche auch lesen, die hinterlassen wurden, ansonsten steht da nur was von Festivals. Oft ist an der Pinnwand auch gar nichts lesbares.

    Ich musste mit Erschrecken feststellen, dass man die Sims nicht mehr mittels moveobjects rumschieben kann . Das macht natürlich einiges viel schwieriger, aber das nächste Kapitel befindet sich trotzdem schon in der Bildbearbeitung

  12. Der folgende Benutzer bedankt sich bei Firnwind für diesen Beitrag:

    Kuschi (02.02.2017)

  13. #7
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    Kapitel 3 - Geisterstund hat Gold im Mund


    Am späten Abend war es so weit. Zugegeben, das Geldverdienen in der Stadt hatte ich mir anders vorgestellt - aber inzwischen empfand ich doch etwas wie Neugier auf den bevorstehenden Job. Im schlimmsten Fall würde ich einige Stunden mit meinen Freunden (denn auch Samuel hatte sich freiwillig gemeldet) und irgend so einem Spinner in einem alten Haus herum hocken und mich langweilen. Und dafür bezahlt werden.
    Es gab schlimmeres.


    Als wir ankamen, stand die Tür des Hauses einen Spalt offen und ein Auto mit der Aufschrift "James C. Evans - Jäger des Unerklärbaren" stand davor.
    Wir waren also richtig.


    Ich stieß die knarrende Tür auf und trat ein. Fahles Licht beleuchtete das Haus nur spärlich. Die verstaubte Einrichtung sah alt aus - sehr alt. Zuerst dachte ich, es gäbe gar keine Fenster, bis ich bemerkte, dass sie offenbar alle zugehängt worden waren. So drang gar kein natürliches Tages- oder besser Mondlicht ein, um die dunklen Böden und holzverkleideten Wände, die schweren, düster wirkenden Möbel, Bilder, kleine Figuren und vieles mehr zu beleuchten.
    Ich grusele mich nicht leicht und darauf bin ich auch stolz, aber dieses Haus wirkte wirklich gespenstig. Gänsehaut lieft mir über die Arme.


    "Mr. Evans? Hallo!" rief Helen hinter mir. Sie klammerte sich an ihrem Bruder fest, schien aber dennoch ihren Spaß zu haben.
    "Mr. Evans!" unterstützte ich ihre Rufe.


    Hinter uns knarrten die Dielen. Helen entfuhr ein leises Quietschen.
    Gleichzeitig fuhren wir herum.
    Da stand ein Mann vor uns. Er trug eine lange Lederjacke und sah aus als sei er vierzig oder fünfzig Jahre alt - schwer zu sagen im fahlen Licht.
    "Uff", machte ich. "Mr. Evans? Hallo, wir sind ..."
    "... meine Assistenten, nehme ich an?" Mr. Evans lächelte freundlich und hielt uns zur Begrüßung die Hand hin. "Ich hoffe, ich habe Sie nicht erschreckt, das war nicht meine Absicht."
    "Natürlich nicht", versicherte Helen, während sie die Hand schüttelte. "Ich bin Helen. Und das hier sind Samuel und Johanna", stellte sie uns vor. "Ich hoffe, wir sind nicht zu spät?"




    "Nein, nein, Sie sind genau rechtzeitig", versicherte Mr. Evans. "Ich möchte euch nur noch jemanden vorstellen, den fünften im Bunde."
    Bei diesen Worten spürte ich eine Bewegung neben mir. Eine dunkle Vorahnung beschlich mich.
    "Hi."
    Verdammt. Diese Stimme kannte ich.
    Das Lächeln gefror mir im Gesicht.




    Tatsächlich. Da war schon wieder dieser Mistkerl.
    "Was soll das? Verfolgst du mich?" schnauzte ich ihn an, obwohl ich eigentlich wesentlich freundlicher klingen wollte. Ich bin nicht gut darin, mich zu verstellen.




    Das konnte doch kein Zufall sein!
    "Reg dich ab, Jo!" fuhr Helen mir dazwischen. "Daron verfolgt nicht dich, sondern mich! Ich habe ihn angerufen und ihm von dem Job erzählt und er war gleich begeistert! Ist das nicht toll?"




    Oh mann. Wie peinlich.
    In der Hoffnung, dass in der Dunkelheit niemand sehen konnte, wie ich rot anlief, stammelte ich eine Entschuldigung. "Sorry ... war nicht so gemeint ... "
    Andererseits hatte dieser Daron mir wirklich noch zu meinem Pech gefehlt.
    Tief durchatmen. Lass dich nicht von dem Kerl runterziehen, dachte ich vor mich hin.


    "Ich sehe, ihr kennt euch", freute sich Mr. Evans. "Sehr schön, dann muss ich euch wohl nicht mehr einander vorstellen. Machen wir uns also gleich an die Arbeit. Zuerst einmal muss die Ausrüstung in den Keller, dort werden wir die Zentrale einrichten. Der Aufbau wird einige Zeit in Anspruch nehmen und bis Elf Uhr sollten wir fertig sein."


    So machten wir uns also ans Werk. Es gab etliche schwere Kisten und anderes Zeug zu schleppen und Helen erwies sich als nicht besonders nützlich - sie trug immer nur so wenig wie möglich. Dafür schaffte ich es recht gut, Daron aus dem Weg zu gehen.
    Die Kisten befanden sich noch gar nicht alle in dem Keller, der früher offenbar als Abstellraum gedient hatte und mit allerlei kaputtem und nutzlosem Krempel vollgestellt war, da fing Mr. Evans schon mit dem Aufbau an.
    Er zauberte merkwürdig aussehende Computer, Beleuchtung, Bücher und Ordner, Kameras, eine Uhr und vieles andere hervor.
    Nach dem Ausladen halfen wir ihm, alles aufzubauen. Samuel hängte die Uhr an die Wand gegenüber von zwei alten Tischen, die wir zusammen geschoben hatten und mit den Computern beluden. Bei anderen Dingen ahnte ich nicht im Ansatz, wofür sie gut sein sollten, aber ich fragte auch nicht - im Gegensatz zu Helen, die dafür aber nur verwirrende Antworten mit irgendwelchen Pseudo-Fachbegriffen erhielt, aus denen niemand schlauer wurde.
    Helen holte ihr Handy raus und schoss ein Selfie, während ich noch dabei war, mich mit diesen seltsamen Computern vertraut zu machen.





    Genervt verdrehte ich die Augen. Dass Helen immer und von allem Fotos machen musste - natürlich mit ihrem eigenen Gesicht im Vordergrund, passte zu ihr. So gut kannte ich sie inzwischen schon. Später würden diese Fotos bestimmt auf ihrem Online-Profil landen.
    Ich selbst hatte mit so etwas nichts zu tun, und deswegen konnte ich mich auch auf die Arbeit konzentrieren.


    Klick - Klick







    Ein Foto von Mr. Evans. Ein Foto von mir. Helen hielt das Handy nicht still und Mr. Evans sagte nichts dazu. Er schickte die beiden Jungs nach oben, um an ganz bestimmten Stellen Kameras anzubringen.


    "He, Helen ... willst du nicht mal mithelfen?" fragte ich sie so höflich wie möglich.
    Helen grinsten und senkte tatsächlich ihr Handy. '"Oh, sorry. Ich mache nur ein paar Fotos. Du weißt schon ..."
    "...Internetpräsenz ist alles, ja klar ..." wiederholte ich den von ihr schon oft gehörten Satz. Sie hatte nur ihre Karriere im Kopf, irgendwelche Klicks und Follower und wasweißich. "Wäre trotzdem nett, wenn du auch das tun würdest, wozu wir her gekommen sind."
    Da mischte sich überraschend Mr. Evans ein. "Mach ruhig weiter. Wenn du die Fotos nachher auf meinen Computer ziehst, soll es mir recht sein. Ich wollte euch ohnehin mit Fotokameras ausstatten und euch damit hochschicken. Von mir aus könnt ihr auch eure Handy verweden. Macht einfach Bilder von verschiedenen Ecken des Hauses und haltet die Augen offen, ob euch irgendetwas auffällt."


    In diesem Moment flackerte das Licht. Es ging kurz aus. Dann wieder an. Mr. Evans schaute auf die Uhr. "23 Uhr", notierte er zusammen mit dem Ereignis auf einem Notizblock. "Johanna, kontrolliere doch bitte mal die Kameras. Sie sollten unabhängig vom Stromnetz funktionieren, wenn der Lichtausfall eine natürlich Ursache hat."


    Ich ging durch das ganze Haus und kontrollierte eine Kamera nach der anderen, Fing oben an und endete im Erdgeschoss.




    Das Licht der Kamera zeigte ihre Funktionsfähigkeit an - auch, als wieder die Lichter flackerten. Natürliche Ursache also. Natürlich. Ich war auch gar nicht erleichtert, was hätte es denn sonst sein sollen? "Alles in Ordnung", sagte ich in die Kamera. Im Keller würde Mr. Evans mich im Livebild hören. "Ich schau mich noch ein bisschen um."


    "Buh!"
    Ich zuckte erschrocken zusammen.
    "He, du bist doch nicht etwa schreckhaft?"
    Daron. Klar. Um zu überspielen, dass ich mich wirklich erschrocken hatte, setzte ich mich an den großen Tisch. "Was soll das? Hast du nichts besseres zu tun?"
    Daron setzte sich neben mich. "Was denn? Staub wischen?"
    "Na das wäre doch ein Anfang. Dann würdest du zumindest etwas nützliches tun", konterte ich.



    Doch Daron lachte nur. "Eigentlich hatte ich auf etwas Gesellschaft gehofft."




    Gesellschaft? Ach ne. "Na klar. Gib's zu, du hattest Angst, hm?" neckte ich ihn.




    Ja, ich hätte Daron gerne aus der Fassung gebracht. Doch den Gefallen tat er mir leider nicht. Er lächelte nur weiter.
    "Punkt für dich. Aber wahrscheinlich hast du nur selber Angst, hm? Brauchst du jemanden zum Anlehnen und Festhalten?"
    "Äh.." Da war ich sprachlos. Was sollte das werden?
    Daron rutschte langsam näher heran. Der wollte doch nicht etwa...? Hatte ich mich so getäuscht? Zu meinem eigenen Entsetzen sprang ich nicht auf und floh. Ich weiß nicht warum, aber aus irgend einem Grund blieb ich sitzen und hatte mich gerade noch genug unter Kontrolle, um mich ihm nicht entgegen zu lehnen.
    Da lachte Daron plötzlich laut auf. "Wenn du dich sehen könntest!" Und lachend stand er auf und ging weg.
    Und da hockte ich, mit hochrotem Kopf, ziemlich beschämt und gleichzeitg kurz vor der Explosion. Mir schossen Flüche durch den Kopf, die ich nicht auszusprechen gewagt hätte.


    Einige Zeit später hatte ich die Flüche runtergeschluckt und mich an das unzuverlässige Licht gewöhnt. Ich schlenderte durch die Räume und entdeckte zwar viel gruseliges, aber nicht wirklich unheimliches.
    In vielen Zimmern gab es Regale und ganze Schränke voller alter Bücher. Ich lese gerne, sehr gerne sogar. Also weckten diese Bücher mein Interesse und ich sah sie mir genauer an.



    Als ich in einem uralten Liebesroman blätterte, kam Mr. Evans dazu.
    "Hier gibt es viele interessante Bücher", meinte er und nahm selbst eines aus dem Schrank. "Vogelzeiten", las er den Titel laut vor und lächelte. "Von 1839. Nun, sicher sind nicht alle alten Bücher ineressant. Aber wirklich erstaunlich ist, dass die letzten Bewohner dieses Hauses alles zurück gelassen haben. Das ist immer das erste Anzeichen dafür, dass in einem Haus etwas vor sich geht."
    "Ähm.. aha", machte ich bloß. Was sollte man dazu auch sagen? Die Bewohner konnten verunglückt oder nacheinander verstorben sein und vielleicht einfach keine Erben gehabt haben. So spektakulär kam mir das nicht vor.
    "Nun gut", Mr. Evans stellte das Buch zurück. "Achte darauf, nichts zu verändern. In zehn Minuten treffen wir uns in der Zentrale, werten die ersten Bilder aus und besprechen das weitere Vorgehen."


    Ich wollte die Zeit nutzen, um noch eine kurze Runde durch das Haus zu drehen. Als ich jedoch die Tür zum Musikzimmer aufstieß, blieb mir das Herz stehen.




    Helen. Und Daron. Knutschend.
    Was fand sie nur an dem Kerl!
    Sofort schweiften meine Gedanken zu der Situation von vorhin zurück. Wir saßen am Tisch, er kam immer näher ... Ob sie wohl davon wusste?
    Ich hätte mich wirklich gerne eingemischt. Ein letzter Funken funktionierenden Verstandes irgendwo in meinem Hirn hielt mich glücklicherweise davon ab, das Zimmer zu stürmen und eine Szene zu machen.
    Nein. Es ging mich nichts an, was die beiden machten oder trieben oder ... bah!
    Raus aus meinem Kopf, ihr Gedanken!


    Seufzend setzte ich mich auf ein Bett, als die Tür auf ging und ein kleiner Lichtblick herein trat.
    "He, was ist los? Was machst du denn für ein Gesicht?" Samuel kam zu mir und setzte sich neben mir auf das Bett.




    "Ach, gar nichts ..." Eigentlich wollte ich nichts sagen, aber dann platzte es einfach so aus mir heraus. "Daron ist so ein Idiot! Er tut so als würde er sich an mich ranmachen, um sich dann deiner Schwester in die Arme zu schmeißen! Dieser Mistkerl lässt keine Gelegenheit aus, um mich zu ärgern! Dabei gehe ich ihm schon aus dem Weg, aber nein... ich weiß nicht, was ich ihm getan habe! Wahrscheinlich war der schon immer so!"
    Ein wenig peinlich war mir mein Ausbruch schon. Kaum war ich meinen Ärger losgeworden, stand ich auf. "Entschuldige ... ich wollte nicht ... Helen hätte sicher einen Besseren verdient ..."
    Zu meiner Verblüffung kam Samuel zu mir und nahm meine Hände. "He, du musst dich doch nicht entschuldigen. Helen ... hat nicht das beste Händchen, was ihre Freunde angeht. Deswegen ist sie auch meistens schnell wieder Single. Mach dir keine Vorwürfe, sie muss selbst entscheiden mit wem sie sich treffen will. Und weißt du was? Du musst auch echt nicht eifersüchtig sein."




    Samuel hielt meine Hände und ich schmolz dahin. Dieser Blick, seine Augen ... nein, das bildete ich mir nicht ein ...
    "Du hast nämlich auch einen Besseren verdient. Und jeder Mann, der dich nicht wunderschön findet, hat deine Freundschaft gar nicht verdient ..."
    Mein Herz schlug bis zum Hals. Ich machte den Mund auf und wollte etwas unglaublich kitschiges antworten.


    Da ertönte ein Schrei.
    "Das war Helen!" rief ich, aus meinen romantischen Träumen geweckt, riss meine Hände los und rannte in die Richtung des Schreis.




    "Das Bild! Es hat sich bewegt! Wie von Geisterhand!" Vollkommen verängstigt, mit weit aufgerissenen Augen und wirr stammelnd, stand Helen vor dem großen Kamin.


    "Nun beruhige dich erstmal", redete ich auf sie ein.
    Komisch. An der Wand war der Abdruck des Bildes, entstanden über Jahrzehnte, deutlich zu sehen. Das Bild hing ein Stück höher, als der Abdruck. Jemand hatte es bewegt, und zwar vor kurzem, soviel stimmte.


    Samuel und Daron kamen gleichzeitig dazu.
    "Hast du sonst irgendetwas bemerkt?" fragte Daron.
    Helen schüttelte den Kopf. "Ich war ganz allein hier. Ganz sicher."
    "Vielleicht hat die Kamera etwas aufgezeichnet", überlegte Samuel.
    "Bestimmt wurde das Bild nur von der anderen Seite aus bewegt", versicherte ich Helen. "Bei so alten Häusern weiß man nie, wo noch Räume versteckt sind."
    "Komm", forderte Samuel auf. "Wir müssen doch ohnehin in die Zentrale. Lass uns dort einmal nachsehen."


    Gemeinsam stiegen wir in den Keller hinab, nicht ahnend, was sich uns noch offenbaren sollte.
    Es hatte schon längst begonnen.


    ... Fortsetzung folgt ...

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    Kuschi (02.02.2017), PinkSouL697 (14.11.2016)

 

 

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